Der Kernölbotschafter trifft Señora Corona

Viel mehr als ein Tagebuch

 

Salzburg Festung

 

27. April 2020: Bald ist es soweit!

Wenn der Gesundheitsminister spricht, hängt eine ganze Nation an seinen Lippen. Das hat es vor Señora Corona nicht gegeben, und wird nachher hoffentlich nie mehr nötig sein. Aber dass Rudolf Anschober zum Star des Ministerrates avancierte, hat er sich redlich verdient. Kein Geschrei, keine Verharmlosung; mit klarer und ruhiger Sachlichkeit hat er den Weg vorgegeben, der unser Land vor großem gesundheitlichem Schaden bewahrt und sohin viel menschliches Leid verhindert hat. Auch Herrn Anschober gelingt nicht alles, auch ihm unterlaufen Fehler; diese gestehe ich ihm wie allen Menschen zu, die unter gewaltigem Druck derart schwere und weitreichende Entscheidungen treffen müssen. Wir durchleben eine völlig neue Learning-by-doing-Phase, auch die Regierung. Wer hier mit Steinen wirft, muss ohne Sünde sein – oder in Opposition.

Die Minister waren daher sichtlich erfreut, gute Neuigkeiten verkünden zu können. Restaurants und auch Hotels werden bald wieder öffnen! Da habe ich natürlich gleich den KB gefragt, wohin er fahren möchte.

Aber mein lieber HG, das weißt du doch selbst am allerbesten Nach Salzburg natürlich! Wir grasen sämtliche Kaffeehäuser ab und wärmen alte Geschichten auf!

Genau! Wie diese hier.

Handyterror im Gastgarten

Selten muss der Kernölbotschafter seine Berichte mit harschen Worten übertiteln. Es sei jedoch versichert, dass ich mich in diesem Fall aufgrund versuchter Verharmlosung sogar noch zurückgehalten habe. Bevor ich aber zur Beweisführung mittels eines Erlebnisses aus kürzester Vergangenheit antrete, muss ich eine allgemeine Einleitung loswerden.

Ich liebe die Zeit, in der ich lebe. Schnelles Internet, schneller Fußball, schnelles Vergessen der aktuellen Hits auf Ö3, deren schamlose Schöpfer von meinen Musikheroen aus den 80ern und 90ern mit Leichtigkeit zum Frühstück verspeist werden. Weiters möchte ich trotz aller Fragwürdigkeiten in keinem anderen Land zuhause sein. Ein kurzer Blick in die Zeitung beschenkt mich stets mit einem langen Gefühl der Dankbarkeit, in Österreich leben zu dürfen.

Doch auch bei uns war früher manches besser. Nicht nur das Wurstbrot, dessen Zubereitung und Verzehr vom verehrten Kollegen Jochen Malmsheimer so unvergleichlich dargestellt wird. Der Genuss dieser schlichten wie vorzüglichen Speise in einem heimischen Gastgarten gestaltete sich in vergangener Zeit um vieles angenehmer. Heutzutage geschieht es immer öfter, dass dem Genusswilligen selbiger vergällt oder gar gänzlich unmöglich gemacht wird.

Nach getanem Tagwerk zog mich der schöne Sommerabend neulich in die Salzburger Altstadt. Mithilfe eines magischen Schlüssels und des Zauberspruchs „Sesam, senke dich!“ überwand ich den Poller auf dem Mozartplatz und steuerte nach erfolgreicher Verparkung meines Wagens zu Fuß das MozARTs an, dessen nach Westen gerichtete Terrasse für einen abendlichen Besuch wie geschaffen ist. Mein Blick schweifte von der Mozartstatue zur Michaelskirche, dann weiter zur Alten Residenz und zum Dom, schließlich hinauf zur Festung. Wenn das Paradies mit diesem Ambiente mithalten will, muss es sich schon sehr anstrengen. Nur so ein Gedanke …

Ich ließ mich inmitten der zahlreichen Gäste an einem Tisch nieder und bestellte nach einem kurzen Blick in die Karte einen griechischen Salat, der leider nicht besonders gut mit dem bereits servierten Zitronenradler harmonierte. Soviel zur Unart von 99,9% aller Kellnerinnen und Kellner, bei der ersten Runde nur nach den Getränken zu fragen. Der Salat selbst war ohne Fehl und Tadel, was an dieser Stelle als – leider letzter – Pluspunkt erwähnt werden soll.

„Wo bist denn? Bist schon unterwegs? Am Residenzplatz? Komisch, ich seh‘ dich gar net! Ah, jetzt seh‘ ich dich! Na dann, bis gleich!“

Dieser erste Anschlag auf mein paradiesisches Glück fand feige hinter meinem Rücken statt, sodass ich es nicht mehr schaffte, wegzuhören. Die angerufene Person war natürlich längst in Sichtweite und sohin innerhalb weniger Sekunden am Tisch hinter mir angelangt.

Zu meiner Rechten ließen sich gleich darauf ächzend zwei – naja, gut gebaute – ältere Damen nieder. Bevor die beiden miteinander ein Wort wechselten oder die Sitzgelegenheit der einen sich mittels Knacken über den ungewohnt hohen Ballast beschweren konnte, langte sie in ihre voluminöse Umhängetasche und sagte: „Wart mit deinen Neuigkeiten. Ich muss schauen, wer mich gerade angerufen hat.“

Da blieb ihrer Begleiterin nichts anderes übrig, als ihr eigenes Handy auf entgangene Anrufe zu überprüfen. Ihrem Gesicht konnte ich deutlich ansehen, um wie viel lieber sie ihre Geschichte gleich erzählt hätte. Aber es gibt eben Prioritäten.

Das Pärchen am Tisch schräg rechts vor mir – den Lauten bei ihrer Bestellung zufolge englischsprachig – redete gar nicht. Beide starrten auf die Displays ihrer Smartphones, bis sie ihren Freund mit dem Unterarm anstieß, offenbar, um ihm etwas Tolles auf ihrem Gerät zu zeigen. Er wollte jedoch lieber auf sein eigenes Teil schauen und ignorierte ihr Streben nach digitaler Aufmerksamkeit, was sie auch anstellte.

Schreib ihm eine SMS, wollte ich der schönen jungen Frau zurufen, die liest er bestimmt sofort! Ich hielt mich aber zurück, weil ich andernfalls ein paar weitere Ratschläge wohl kaum hätte zurückhalten können: Ihr zwei macht eine Reise in eine der schönsten Städte der Welt und habt an einem so herrlichen Abend nichts anderes im Sinn als eure Smartphones? Schaut euch um und einander in die Augen. Dann wird alles andere ein bisschen weniger wichtig.

Vielleicht hätte ich es wirklich laut sagen sollen, meinetwegen auch auf Englisch. Um meiner eigenen Seele willen, die sich längst vom Paradies abgewandt hatte und gefährlich schnell in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war.

Als ich mich nach dem Kellner umschaute um zu bezahlen – der griechische Salat hatte plötzlich jeden Geschmack verloren –, fiel mein Blick auf eine vierköpfige Familie. Die offensichtliche Freude der Eltern an ihrem gemeinsamen Hiersein vermochten die Kinder nicht zu teilen. Die Tochter las ein eBook auf ihrem Tablet-PC, der Sohn spielte auf seinem Handy.

Möglicherweise ist das heute alles so und ich bin einfach nur mega uncool, weil ich mich nach der Zeit vor diesem Smartphone-IPhone-Webbook-Tablet-PC-Wahnsinn sehne. In meinem Herzen trage ich jedoch eine Szene, die mir immer wieder innere Kraft gibt: Ein gemeinsames Mittagessen mit meiner Familie. Alle reden miteinander, nehmen Anteil, freuen sich an neuen wie alten Geschichten, genießen Gemeinsamkeit. Das war vor dreißig Jahren so, als es noch lange kein Smartphone gab. Und es hat sich bis heute nicht geändert.

Erkenntnis des Tages: Vorfreude ist die schönste Freude. Wir freuen uns auf das Wiedersehen mit unseren Familien und Freunden, auf die ersten Ausflüge, auf den so sehr vermissten Cappuccino im Stammcafé. Bald ist es soweit!

Zitat des Tages: „Was sagst du? Ich verstehe dich kaum! Hier telefonieren alle so laut mit ihren Handys!“ (Dem Mann vom Anfang der oben erzählten Geschichte war auch der letzte Satz vorbehalten. Das beweist wieder einmal, dass der Liebe Gott die kleinen Sünden sofort bestraft.)

Video des Tages: Das Wurstbrot (Früher war nicht alles besser. Aber niemand erklärt besser als Jochen Malmsheimer, was früher doch besser war!)
https://www.youtube.com/watch?v=rfAYPP8RtVw

Song des Tages: Sound of Silence (Jetzt glauben wir es noch nicht, aber wir werden uns bald wieder auf stille Momente freuen. Hier eine feine Version dieses Klassikers von der A-Cappella-Gruppe Pentatonix.) 
https://www.youtube.com/watch?v=gdVjVtpr55M

Feder

 

Der Kernölbotschafter trifft Señora Corona

Das etwas andere Tagebuch


Golfplatz Rif

 

26. April 2020: Der ideale Corona-Freizeitzeitvertreib

Bevor morgen unser Zuerst-Jung-dann-Alt-dann-wieder-Jung-und-jetzt-Krisen-Kanzler Sebastian Kurz seine als bedeutend angekündigte Rede an die Nation hält, für die er mit – wie immer gut abgeschmeckten – Kusshänden und nassen Fetzen überhäuft werden wird, möchte ich seinen Stellvertreter vor den Vorhang holen: Werner Kogler, der erste grüne Vizekanzler in der österreichischen Geschichte.

Das bärbeißig-steirische Grün-Urgestein ist bekanntlich nicht nur die Nummer 2 in der Regierung, sondern auch Sportminister. In dieser Eigenschaft war er heute in der ungemein wichtigen Sendung Sport am Sonntag zu Gast und erklärte dem Publikum an den Empfangsgeräten, welche Formen der Ertüchtigung unserer Körper in diesem Sommer erlaubt sein werden und welche nicht.

Für Mannschaftssportarten schaut es schlecht aus; und noch schlechter für Kampfsportler, die üblicherweise im Vollkontakt aufeinander eindreschen. Dabei fliegen nicht nur die Fäuste hin und her – auch die Tröpfchen pflegen einen sehr intensiven Austausch. Sogar der beste Mixed-Martial-Arts-Fighter, der seine Gegner für gewöhnlich in Sekunden platt macht („Der hat gar keine Zeit zum Schwitzen, also gibt es auch keine Tröpfchen!“), muss deshalb einsehen, dass er seine Kunst erst wieder zeigen kann, wenn Señora Corona das Weite gesucht hat.

Bis dahin gilt es also nun, Alternativen zu finden. Und da ist dem Werner Kogler die Königsidee der gesamten bisherigen Pandemie-Krise eingefallen: Golf.

Das mittlerweile zum Breitensport gewordene Ballerlschupfen war früher nur den Betuchteren unter den Erdenbürgern vorbehalten. Dabei vereint es alles, was wir in der aktuellen Situation so dringend benötigen: Bewegung an der frischen Luft, Kontemplation durch die langen Wanderungen von Loch zu Loch, Konzentration beim Putten (das Runde muss ins Runde – dies kann manche schon vor erhöhte cerebrale Herausforderungen stellen!) und vieles mehr. Sogar Hasenfreunde, die dem heuer ausgefallenen Ostereier-Suchen nachtrauern, kommen beim Wo ist das Balli?-Spiel im Rough (Golfersprache für weit weg von dort, wo ich eigentlich hinwollte) voll auf ihre Kosten. Sie sehen, Golf ist der perfekte Freizeitzeitvertreib (habe ich gerade ein neues Wort erfunden?), um weg von der Couch und somit gut durch die restlichen Corona-Monate zu kommen.

Obacht geben sollten nur die schon erwähnten Vollkontakt-Kampfsportler, die vorübergehend auf das edle Spiel der Ladies and Gentlemen umsteigen wollen. Besonders beim Abschlag ist der vorgeschriebene Sicherheitsabstand undbedingt einzuhalten! Andernfalls kann es passieren, dass ein gestählter Kämpfer durch eine zu hastige Ausholbewegung seines Gegners unabsichtlich in sein altes Muster zurückfällt und dem Flight Partner, mit dem er sich im Grunde gepflegt unterhalten wollte, ansatzlos den eigenen Schläger über den Scheitel zieht. Das Spiel wäre leider zu Ende, noch bevor es überhaupt richtig beginnen konnte.

Was zum Abschluss besonders hervorgehoben werden muss: Der Golfsport ist das ideale Für-die-Zeit-nach-der-Krise-brauche-ich-unbedingt-neue-Kontakte-Werkzeug. Am dritten Loch wird man einander vorgestellt, am sechsten Loch erhält man die ersten Tipps (sportlich wie geschäftlich) und am neunten Loch ist man der Duz-Freund des Generaldirektors seines wichtigsten Kunden. Im Clubhaus wird das neue Millionenprojekt ausgiebig begossen und zu guter Letzt in trockene Tücher gewickelt. Donald Trump sagt, bei ihm funktioniert das immer!

Folgen Sie mir nun nach Rif bei Salzburg, wo sich zwei Freunde nach glücklich überstandenem Winter zur Saisoneröffnung im Golfklub treffen.

Servus, Rüdiger! – Grüß dich, Franz!
Schaut so aus, als is’ der ganz
Schlimme Winter nun vorbei
Da hab’ i’ dacht, ich mach’ mich frei
Und fahr’ nach Rif für a paar Schläge
Jaguar aus dem Gehege
Sommerpatscherl g’schwind montiert
Ich hoff’ nur, dass nimmer friert

Am Parkplatz bin i’ gleich erstarrt!
Weißt, wer vor mir einifahrt?
Da Melnhof mit sein’ Maserati!
Da Mateschitz hat an Bugati!
Ja, altes Holz und süße Safterl
Ich hab’ g’wusst, i’ brauch a Achterl
An der neuen Clubhaus-Bar
Was sag’ ich – alle war’n sie da

Wo is’ die Gattin, die Brunhilde?
Is’ das Klima ihr zu milde? -
Die hat Falten um die Augen
Noch vom letzten Fettabsaugen
Darum meidet’s die Gesellschaft
Bis die Sach’ is’ aus der Welt g’schafft -
B’stell ihr bitte meine  Grüße
Ich muss wirklich auf die Wiese

Na dann, spiel’ ma eine Runde? -
Spinnst? Ich hab’ doch nur a Stunde
Zeit! Des reicht, dass man mein G’sicht
Hier in dieser Runde siecht
Außerdem gibt’s heut’ ein Essen
Darauf hätt’ ich fast vergessen
Mit dem jungen Herrn BK
Also pfiat di’, tschau, baba!

 Aus „Liebe und andere Katastrophen“
Weishaupt Verlag, Gnas 2009

Erkenntnis des Tages: Bewegung im Freien hält fit, und wenn man dabei auch noch nach einem Ball schlagen kann, werden überschüssige Energien abgebaut. Finden Sie eine Sportart, die zu Ihnen passt, durchführbar ist und Spaß macht.

Zitat des Tages: „Golf ist ein schöner Spaziergang, der einem verdorben wird.“ (Wer Mark Twains Meinung über diesen Sport anhängt, lässt die Schläger besser zuhause und geht nur spazieren.)

Song des Tages: Shitty Golfer (Der amerikanische Country-Star Toby Keith ist zweifellos froh darüber, sich für die Musik als Broterwerb entschieden zu haben.)
https://www.youtube.com/watch?v=hEwnd1wbE-M

Feder

 

Der Kernölbotschafter trifft Señora Corona

Das etwas andere Tagebuch

Lagerhaus

 

25. April 2020: Ein komischer Kreisverkehr

Tut mir echt leid, ich muss mich schon wieder aufregen! Aber nach fast eineinhalb Monaten wissen Sie eh schon, was ich für einer bin. Heute hat mir der HG das Kraut so was von ausgeschüttet! Wer diesen Begriff aus dem Salzburgischen nicht kennt: Er bedeutet, von jemandem ziemlich heftig verärgert worden zu sein – wunderschön blumig, wie vieles in unserer alpenrepublikanischen Dialektsprache.

Wie dem HG das gelungen ist, wo ich doch ein wahres Musterbeispiel an steirischem Langmut und fernöstlichem Ooooohhhhhmmmmm bin, werden Sie wissen wollen. (Und wenn nicht, ich sage es  Ihnen trotzdem.) Ganz einfach: Er hat mich viel zu früh aus dem Bett geschmissen! Schon um acht Uhr musste ich mit ihm und seiner Mutter zu einer Erkundungstour in die nahegelegene Metropole Studenzen aufbrechen.

Fahr doch ohne mich, lass mich schlafen!, habe ich ihn angefleht. Was willst du überhaupt in der Pampa, wo sich eh nur Kühe und Schweine Gute Nacht sagen?

„Wir wollen nachhaltiger leben, deshalb schauen wir uns den Bauernmarkt dort an.“ HG hat meine Bitte nicht einmal ignoriert und mir dann auch noch völlig kaltherzig die Bettdecke weggezogen. „Und du schaust, ob du unterwegs eine Geschichte fürs Tagebuch aufschnappst.“

Na super! Ob auch ich nachhaltig leben will, stand nicht zur Diskussion. Jetzt frage ich Sie: Wenn das nicht komplett unter Kraut ausschütten firmiert, was dann?

 Zugegeben, am Anfang war es recht gemütlich. HGs Mutter hat in Berndorf (nur eine Straße mit ein paar Häusern – ich sage Ihnen, die Pampa beginnt nicht weit hinter Feldbach!) Balkonblumen gekauft, da konnte ich wenigstens auf der Rückbank seines Golf weiterbüseln, auch wenn es recht eng ist. Wenn der HG und ich wieder auf ausgedehnte Recherchetouren gehen, sitze ich zum Glück vorne – Fingers crossed, dass er noch lange ohne bessere Hälfte unterwegs ist. (Moment … ich bin seine bessere Hälfte! Also null Problemo, alles roger, Roger!)

Aber dann ging es los. Der Bauernmarkt in Studenzen, wo ist der überhaupt? Am Parkplatz vor dem Spar, wie HG vermutet hatte, keine Spur davon, nur Parkplatz. HG fuhr noch in zwei andere Richtungen, ohne gescheiter zu werden, ich streute von der Rückbank ein paar übertriebene Seufzer ein, um ihn zu ärgern – irgendwie muss ich mich ja unterhalten.

HGs Mutter hatte schließlich die gescheiteste Idee: Zurück zum Spar und dort jemanden fragen; wo viele Autos stehen, rennen bekanntlich viele Leute herum. Für ihr fortgeschrittenes Alter (das ich hier nicht nennen darf, sonst sperrt sie mich in die Kellerwerkstatt!) hat die Dame echt noch einen fitten Kopf und fitte Knochen. Na jedenfalls, schon die erste Hausfrau, die sie fragte (und deren Frisur, nebenbei bemerkt, den 2. Mai um vieles dringender erwartete als ihre Figur die nächste Portion fette Käsekrainer!), freute sich, uns weiterhelfen zu dürfen.

„Do foan’S beim Kreisverkehr Richtung Födboch. Daunn kummt no’ a Kreisverkehr, a komischer, duat miassn’S links obiagn. Daunn kummt des Gosthaus Wagenhofer, des kennan’S sicher, durt is’ da Bauernmoakt.“

Wir bedankten uns artig und waren zu dritt gespannt auf den „komischen Kreisverkehr“. Dieser entpuppte sich nach ein paar hundert Metern als kreuznormale Abbiegespur nach links, aber solange die Frau nicht nur vom Friseur, sondern auch aus einem echten Kreisverkehr wieder nach Hause findet (denken Sie an die Geschichte in Oberösterreich!), soll es mir recht sein. Indes, beim Gasthaus Wagenhofer war weit und breit kein Bauernmarkt zu sehen.

„Fahr weiter, vielleicht kommt er noch“, meinte HGs Mutter hoffnungsvoll. Und sie sollte recht behalten. Erst sahen wir den Nachtclub Dolce Vita (der weder süß noch ausgesprochen lebendig wirkte, was natürlich wieder einmal nur mir aufgefallen ist), dann das Lagerhaus (wo zumindest das in der Blumenhandlung nicht vorhanden gewesene Balkonkisterl erhältlich sein dürfte, unser Weg also nicht gänzlich umsonst wäre) und zuletzt, auf einer Wiese gegenüber, drei Holzhütten: Der Studenzener Bauernmarkt war gefunden!

Kleiner Hinweis meinerseits: Hätte HG gleich mich gefragt anstatt eine geografisch völlig überforderte Einheimische, wären wir von Anfang an richtig gefahren. Gegenüber dem berühmten Nachtklub, na klar, habe ich immer gewusst! Wo sollte ein Bauernmarkt denn sonst situiert sein?

Einigermaßen überrascht näherten wir uns dem Parkplatz. Vor dem Lagerhaus und den Markthütten herrschte eindeutig mehr Verkehr als im Dolce Vita! Ständig öffneten sich die automatischen Schiebetüren der Landgenossenschaft und entließen massenhaft Leute mit hoch aufgetürmten Kisten Puntigamer ins Freie. Um Gottes Willen, dachte ich bestürzt, wer sauft denn das alles? In der nächsten Sekunde war das Rätsel gelöst: Die am Land lebenden Südoststeirer sind flexibel! Die horten nicht nur Klopapier, auch Puntigamer Bier steht ganz oben auf der Liste! Klingt fast gleich, und als sämtliche Rollen Cosy extra soft und Co. weg waren, haben sie nicht lange gesudert und sind auf noch vorhandene Ware umgestiegen, die ihnen des Hamsterns wert erschien. Da bleibt nur die Hoffnung, dass der Bundes-Basti und seine Kollegen das allgemeine Feierverbot bald aufheben und sohin viele zünftige Grillereien in und rund um Studenzen steigen können!

Das Grillgut dafür besorgen sie hoffentlich alle beim Bauernmarkt gegenüber, ebenso den Salat und die Radieschen. Ich hatte meine Zweifel, aber die von den Direktvermarktern im beschaulichen Studenzen feilgebotene Ware war allererste Sahne. Der Speck durchzogen, die Eier groß, die Auswahl an Apfelsorten reichhaltig – und das ganz ohne neuseeländisch-südafrikanisch-chilenische Super-Sonder-Aktionsangebote. Dazu knackige Karotten und Strauben zum sofort Reinbeißen. (Vermutlich von der Mutter des Obstbauern in aller Herrgottsfrühe aus dem Backrohr gezaubert – herrlich!) Wer ein bisschen herumschaut, Leute, findet in seiner Nähe alles, was er braucht. Mit dieser kleinen Anstrengung lernen wir zu erkennen, was wirklich gut ist.

Zuhause gab es dann die Straube und Kaffe – halt nur ein kleines Stück für jeden, HG war wie immer knausrig unterwegs. Aber ich glaube, wir werden bald wieder beim Bartlme-Bauern in Studenzen vorbeischauen. Jetzt wissen wir, wo der komische Kreisverkehr ist, also finden wir auch den Bauernmarkt.

Erkenntnis des Tages: Der KB mag übers Landleben lästern, soviel er will – ich empfinde große Dankbarkeit, Teil davon zu sein. Wir haben trotz Quarantäne unsere Gärten, Wiesen und Wälder, die uns sowohl Raum als auch Schutz geben. Im Bezirk Südoststeiermark werden aktuell nur 57 bestätigte Infektionen gezählt, bei mehr als 84.000 Einwohnern. Und wir haben tolle bäuerliche Nahversorger. Dass sie auch nach Señora Coronas Abschied von der Bevölkerung wertgeschätzt werden, kann eine der wichtigsten aus der Krise gewachsenen Lebensverbesserungen sein.

Zitat des Tages: „Guat, dass ma uns den SUV“ – (gesprochen wie geschrieben!) – „kaft hom. Jetzt brauch’ ma ums Bier net zwamol foan.“ (Auch vor dem Lagerhaus Studenzen ist man dankbar.)

Video des Tages: La Dolce Vita (Anita Ekberg und Marcello Mastroianni waren vermutlich nie in Studenzen, wohl aber in Rom. Knisternde Erotik in Schwarzweiß – ein Genuss!)
https://www.youtube.com/watch?v=7_hfZoe9FHE

Song des Tages: Lagerhaus Reggae (Ich konnte mich nicht entscheiden, deshalb heute zwei Links. Der steirische Kabarettist Mike Supancic ist von italienischem Kulturkino so weit weg wie die Erde von der Sonne, aber sein Meisterwerk ist ebenfalls bereits ein Klassiker!
https://www.youtube.com/watch?v=1UK9Vwgua5o

Feder

 

Der Kernölbotschafter trifft Señora Corona

Das etwas andere Tagebuch

Herz SAKünstlerin:Sabine Schilcher-Asen

 

24. April 2020: Das lange Fern-Sein

„Am 1. Mai kann ich endlich wieder zu meinem Freund fahren.“

Anna lässt einen sehnsuchtsvollen Seufzer folgen. Sie ist eine langjährige Bekannte, die drei Meter von mir entfernt und mit Maske in meinem Büro sitzt. Der KB ist heute nicht da, und so kann ich mich in aller Ruhe über ein Thema austauschen, das im Tagebuch bisher keinen Platz fand: Liebende in einer Fernbeziehung, die dank Señora Corona eine gänzlich andere Form von Quarantäne erleben. Anna erzählt von langen Telefonaten, die sich mit Phasen ohne Kontakt abwechseln. Die gab es auch früher, doch waren sie nie von Reflexionen über die Partnerschaft begleitet. Was ist wichtig? Haben wir die Möglichkeit, in Zukunft zusammen zu leben – und wollen wir das überhaupt? Genügt ein „Ich liebe dich“ am Telefon, oder müssen wir es aneinander erleben, erblicken und erspüren?

Ich höre zu, mit einem seltsamen Ziehen in mir. Allein zu leben hat viele Vorteile, doch Annas Warten auf das Wiedersehen mit ihrem Liebsten offenbart eine Freude, die das lange Fern-Sein zu einer für sie beide bald überwundenen Prüfung macht, so ihre Verbindung stärken und vertiefen wird. Singles haben keinen Zugang zu dieser Energie. „Wir haben dafür Freiheit“, sagen sie dann, aber das ist etwas völlig anderes und niemals vergleichbar.

Mögen folgende Gedichte die letzten sieben Tage für alle getrennt Liebenden schöner, erträglicher und auch ideenreicher machen – welches würdet ihr besonders gerne ans andere Ende der Strecke schicken, die unsere kaltherzige Señora Corona zwischen euch gelegt hat?

 Ein Engel

Ein Engel ist vom Himmel gefallen
In meine offenen Arme
Ich hielt ihn fest, erkannte sein Strahlen
Er zog mich sanft in das Warme

Wir reisten gemeinsam an einen Ort
Wo Glück statt Zeit wird gemessen
Ein Kuss, ein Lächeln, ein zärtliches Wort
Ließ die zweite Wahrheit vergessen

Irgendwann später flog er davon
Freiheit beschützt seinen Segen
Ein wenig Goldstaub blieb mir zum Lohn
Die Spur ins Licht will ich legen

Auf deiner Seite

Auf deiner Seite des Bettes
Bist du immer ein bisschen da
Im Geruch deines Polsters
In der durchwühlten Decke

Auf deiner Seite des Bettes
Sehe ich wache, kluge Augen
Tore des herzlichen Willkommens
Zu deinem tiefgründigen Wesen

Auf deiner Seite des Bettes
Schlägt ein Herz noch lange weiter
Ohne Heute, Morgen, Gestern
Mein stilles Glück, fern aller Zeit

Above The Clouds

As the sunlight starts to dimm
And I know you far away
I turn all my senses in
Dreaming of another day

I go back in time and place
When you fell before my eye
What a sudden happiness
I was free to touch the sky

I’ll return to Italy
In my little village south
If it’s just a memory
See you there above the clouds

Angst um dich

Du gehst über die Straße
Ich habe Angst um dich
Nur Worte bleiben zurück
Wenn du mich verlässt

Du bist wieder bei mir
Und meine Angst wird größer
Vielleicht ist das der Grund
Warum ich so glücklich bin

Ewig und neu

Komm zu mir heut’ Nacht
Flüstert er leis’
Ich halt’ für dich Wacht
Mein Herz um dich weiß

Bleib’ bei mir heut’ Nacht
Wünscht sie sich still
Zum Geschenk wird gemacht
Was Gott geben will

Die Welt ruht heut’ Nacht
In den Armen der zwei
Erstrahlt von der Pracht
So ewig und neu

Song des Tages:I Drove All Night (Der selige Roy Orbison wusste es: Wer noch keine ganze Nacht zu seinem Herzensmenschen durchgefahren ist, hat wohl bisher wohl niemals wirklich geliebt.) https://www.youtube.com/watch?v=m5N9IHqqGcA

 Feder

 

Der Kernölbotschafter trifft Señora Corona

Das etwas andere Tagebuch

Mopedauto

23. April 2020: Was heißt hier Risikogruppe?

Jo hallo, hier ist der Kernölbotschafter. Ich habe meine Frühjahrsmüdigkeit überwunden und neue Energie getankt. Genug Energie, dass ich mich schon wieder so richtig aufregen kann. Da muss der HG gar nicht dabei sein – es reicht, mir ein klitzekleines Reizwörtchen hinzuwerfen: Risikogruppe!

Verstehen Sie mich nicht falsch:  Ich finde es höchst bedauernswert, dass die böse Señora Corona in Alters- und Pflegeheimen so viele Opfer gefunden hat; ausgerechnet bei denen, die oft Enormes in ihrem Leben geleistet und nun einen ruhigen, zufriedenen Lebensabend verdient haben. (Oder gehabt hätten? – Nie ist Oberlehrer HG da, wenn ich ihn einmal brauche!) Das Risiko sehe ich aber nicht im fortgeschrittenen Alter der Damen und Herren dort, sondern in der meist notwendigen körperlichen Nähe zu den Pflegerinnen. Und, mit Verlaub, in ihrer Sturheit (der betagten Leute, nicht der Pflegerinnen – irgendwie bin ich doch noch immer ein bisschen neben der Spur). Damit meine ich vor allem die fitten, agilen Seniorinnen und Senioren; die Generation Siebzig plus aktiv, oder wie sie sich selbst gerne nennen. Viele von denen glauben, sie können noch alles genau gleich wie damals, als sie noch springlebendige Bubis und Mädis waren. Wenn man ihnen aber sagt: „Opa/Oma, was du vorhast, funktioniert vielleicht nicht mehr ganz so gut wie früher“, werden sie böse und erwidern trotzig: „Das habe ich mein ganzes Leben lang auf diese Art gemacht. Warum sollte es jetzt anders sein?“ Sodann schreiten sie zur Tat und springen samt Anlauf, Absprung und beiden Beinen in das mit Achtung – Risikogruppe! beschriftete Loch.

Beispiele gefällig? Schauen Sie einfach in die Chronik-Seiten Ihres bevorzugten tagesaktuellen Druckwerkes oder auf ebendiese Internetabteilung des rotweißroten Staatsfunks. Welch eine Fundgrube von „Ich kann es aber noch!“-Blödheiten!

Heute verwechselte im schönen Oberösterreich eine 85jährige Dame (!) mit ihrem Mopedauto (!!) in einem Kreisverkehr die Ausfahrt und geriet dadurch auf die Mühlviertler Schnellstraße (!!!), die bekanntermaßen zum hochrangigen Straßennetz zählt und deshalb für Buschenschankmercedes verbotenes Terrain darstellt. Ob die Pilotin das wusste, war nicht Gegenstand der Meldung, wohl aber ihr weiteres Verhalten. Bald muss ihr die Fahrbahn ungewohnt erschienen sein, also befragte sie das im Kleinstwagen verbaute und von ihrem Autoclub Mobil mit 80+ gesponserte Navi. Leider hatte die Dame auch nicht die richtige Brille dabei und verwechselte daher den Befehl Sofort von der Schnellstraße abfahren! mit der Anweisung Wenn möglich, bitte jetzt wenden! Sie machte tatsächlich mitten auf der Fahrbahn kehrt und fuhr mit dem falschen Auto auf der falschen Straße in die falsche Richtung, und das beinahe zwei Kilometer weit! Dann kam sie zu einem Tunnel, der ihr nicht geheuer war, also drehte sie noch einmal um. Dies beendete wohl die Geisterfahrt, nicht aber Gefahr und Gesetzesübertretung. Nach diesem zweiten Mopedauto-testet-Schnellstraße-Richtungswechsel griffen schließlich Mitarbeiter der ASFinAG ins Geschehen ein. Sie stoppten die rasante Seniorin und leiteten sie von der Fahrbahn ab. Niemand kam zu Schaden – der Liebe Gott schaut nicht nur auf Narren und kleine Kinder, sondern auch auf die Kombination aus beiden. Genau die wissen das und fürchten sich deshalb nicht vor Señora Corona.

Wobei: Manchmal wäre ein bisserl Angst vor ihr nicht unbedingt schlecht, denn nicht immer enden Geschichten wie im Märchen mit Und sie fuhr mit ihrem Mopedauto glücklich und zufrieden bis ans Lebensende. In Tirol führte das „Ich kann es noch!“-Mantra eines Bauern zu einem tödlichen Unfall, der mit ein bisschen Respekt vor der Gefahr und einer realistischen Einschätzung eigener, im höheren Alter verminderter Fähigkeiten vielleicht hätte verhindert werden können. Dann wäre der Mann möglicherweise nicht wie jedes Frühjahr allein in den Wald gegangen, um einen Baum zu fällen, „der eh schon längst weggehört.“ Oder er hätte einen Sohn, einen Freund, einen Holzknecht mitgenommen, der ihn vor dem herabstürzenden Wipfel hätte warnen können.

Die Häufigkeit solcher Tragödien beweist, dass „Ich kann es noch“-Menschen wohl Einzelgänger sind, mit ihrem Egoismus aber eine große Risikogruppe bilden. Ein weiterer Dauergast ist der klassische Mann, der nicht zum Arzt geht, wenn er Schmerzen hat. Ein längst fälliger Besuch beim Doktor wird entweder so lange hinausgezögert, bis er es vor lauter Weh nicht mehr aushält – oder  gleich in der Notaufnahme, vielleicht gar auf dem Operationstisch der allerletzten Chance landet. Checken Sie in Gedanken Ihren Freundeskreis: Der alte KB ist sicher, es fallen Ihnen mindestens so viele passende Namen dazu ein, wie Ihr linker Fuß Zehen hat. (Man muss nicht immer sofort die naheliegendste Metapher verwenden, isn’t it?)

Ein Sonderfall unter den Risikogrupplern ist der alte Herr vom HG. Er weigert sich beharrlich, die Señora kennenzulernen, ist sogar überzeugt, dass sie nur in der Einbildung aller anderen existiert. Nachfolgender Dialog zwischen ihm und HG legt davon ein beredtes Zeugnis ab.

„Warum hat denn kein Café offen?“

„Wegen der Corona-Krise, Papa.“

„Ah geh! Wegen dem Corona soll es keinen Kaffee mehr geben? Wer sagt das?“

„Die Bundesregierung, Papa.“

„Was geht die Bundesregierung mein Kaffee an?“

„Die Ansteckungsgefahr ist das Problem.“

„Dann bleiben wir halt wegen der Corona zuhause, ist eh viel gescheiter. Sag Mutti, sie soll einen Kaffee machen.“

Diese Gespräche, so hat mir HG versichert, wiederholen sich mehrmals täglich . Aber er nimmt es locker, und ich muss ihm – selten, aber doch – beipflichten. Wer Señora Corona für nicht existent oder ein Hirngespinst hält, kann sich auch nicht davor fürchten. Wenn diese Leute trotzdem daheim bleiben, sei ihnen ihre Überzeugung von Herzen gegönnt.

Erkenntnis des Tages: Der „Ich kann es noch!“-Glaubenssatz ist von dem Tag an zu überdenken, wo er nicht mehr der Realität entspricht. Für Anhänger dieses egoistischen Mantras mag es eine harte Lehre sein, doch es gibt drei andere Worte, mit denen sie kein Gramm Würde, Selbstwert oder Stolz einbüßen und im Kreise ihrer Lieben weiterleben können: „Bitte hilf mir.“

Zitat des Tages: „Die betagte Dame hatte großes Glück. Sie fuhr genau in einem abgesperrten Baustellenbereich in die falsche Richtung, wo ohnehin kein Verkehr war.“ (Ein Mitarbeiter der ASFinAG erläutert nach der Geisterfahrt in Oberösterreich die Arbeit des Schutzengels.)

Song des Tages: Working The Highway (Der Boss weiß es: Baustellen auf der Autobahn sind nicht immer schlecht. PS: Wer Bruce Springsteen mag, MUSS ihn unbedingt einmal live erleben!) https://www.youtube.com/watch?v=gpDyrXiMWqM

Feder

 

Der Kernölbotschafter trifft Señora Corona

Das etwas andere Tagebuch

CoverDerKernoelbotschafter

 

22. April 2020: Wie der KB seinen Namen erhielt

Immer wieder fragen mich Leserinnen und Leser des Corona-Tagebuchs, wie der Kernölbotschafter zu seinem Namen gekommen ist. Diese Geschichte ist schnell erzählt. Als meine Freude am humorigen Schreiben stetig zunahm und damit auch die Zahl der im Computer gespeicherten Satiren, war ich auf der Suche nach einem Buchtitel für die erste Sammlung. Mein Favorit: Ein Steirer in Salzburg, gleichlautend mit der Überschrift des ersten ironischen Textes. Klar, einfach, das Thema sofort für alle sichtbar – so gefiel es dem Industrie-Controller, der ich damals war.

„Das ist doch viel zu bieder!“, wies mich mein bester Freund, der Kabarettist Martin Kosch, ohne Federlesens zurecht. „Du brauchst etwas Knackiges, das neugierig macht. Und das trotzdem den Inhalt so vermittelt, wie du es willst.“ Er trommelte mit den Fingern auf den Küchentisch. „Also Brainstorming: Was ist typisch für deine steirische Gegend? Das Kürbiskernöl, euer schwarzes Gold, richtig? Wie wäre es dann mit Der Kernöl-Poet?“

„Das klingt nach schlimmster Heimatdichtung, nein danke“, lehnte ich ab.

„Der Kernöl-Humorist, kernölige Pointen, …“, sinnierte Martin weiter, und meine ursprüngliche Idee wurde mir immer sympathischer. Da stand er auf einmal so heftig auf, dass sein Stuhl nach hinten umfiel, und rief: „Ich hab’s! Dein Buch heißt Der Kernölbotschafter! Da ist alles drin!“

Wir probierten noch ein paar andere Ideen aus, doch es war wie bei einer Krawatte, die man auf den ersten Blick haben will und auch nach dem zweiten Blick auf das Preisschild nicht mehr aus der Hand legen kann. Und so blieb es dabei.

Viele Leute fragten zwar nach einer flüssigen Kostprobe, nachdem sie die Werbung auf meinem roten Golf sahen, aber auch das war eine wunderbare Gelegenheit, um ins Gespräch über Literatur im Allgemeinen und Satire im Besonderen zu kommen. Sohin war der Kernölbotschafter geboren und machte sich fern der Heimat einen Namen als pointierter Schreiberling.

Als nach beinahe zwanzig Jahren die Botschafterresidenz in Salzburg geschlossen wurde, durfte der KB seinen Titel behalten. Ein paar Monate lang kiefelte er an der Sehnsucht nach dem Café Classic, dem Tomaselli und dem Mozart, wo er immer die besten Geschichten aufgeschnappt hatte. Dann erhielt er jedoch den Auftrag, einen Text zum Thema Heimat zu schreiben. Weil er seriös sein sollte, gab er diesen freimütig an mich weiter – und zu meiner eigenen Überraschung erkannte ich, dass die Rückkehr an den Ort meiner Kindheit mehr Facetten hat als ein deprimiertes Ich möchte viel lieber woanders sein!

Alte Heimat – neues Zuhause

Das erste offizielle Begrüßungsschreiben anlässlich meiner Rückkehr in die Südoststeiermark ist ein Strafzettel. Auf der letzten Übersiedlungsfahrt von Salzburg nach Feldbach blitzt mich das hinterhältige Doppelradar an der Ortseinfahrt von St. Margareten an der Raab mit 88 km/h. Das sind 38 zu viel, die Strafe beträgt satte 110 Euro. Als ich mir die Stelle bei Tag besehe, erschließt sich mir sofort die halbe, typisch österreichische Lösung: Jenseits einer Straße, die einst als Ortsumfahrung gebaut worden war, wurde später ein Gewerbepark angelegt, jedoch ohne die zugehörige Verkehrslösung. Sohin müssen die Ortsbewohner jedes Mal eine stark frequentierte Straße queren, wenn sie dort einkaufen oder etwas anderes erledigen wollen. Unfälle waren die tragische wie logische Folge, und der Behörde fiel nichts Besseres ein, als den rasch installierten 50er mit gleich zwei ständig scharfen Radarboxen rigoros zu überwachen. Dies bestätigt auch der zuständige Beamte im Verkehrsreferat auf meine Frage, ob mit dem eingenommenen Geld irgendwann der längst fällige Kreisverkehr gebaut wird: „Ja, genau.“ Viel hat sich also nicht geändert in den zwanzig Jahren …

Falsch, ganz falsch. Schon am nächsten Vormittag erkenne ich, dass ich vielleicht an ein altes Flussbett zurückgekehrt bin; die Wasser darin aber sind frisch und neu.

Ich stehe im Bürgerservice der Stadt, um mich als Einwohner von Feldbach registrieren zu lassen, und staune über die hellen, einladenden Räume am neuen Standort. Die freundliche Umgebung scheint direkt auf die dort tätigen Menschen abzufärben: Es herrscht eine gelöste, heitere Stimmung. Kurz blitzt in meinem Kopf eine Örtlichkeit der Vergangenheit auf, die mit Amtsstube eine sprachlich unzulässige Behübschung erfahren hatte. Zeig mir, wo du arbeitest, und ich sage dir, wer du bist.

Wieder in den Straßen unterwegs, spüre ich auch dort dieses Gefühl des Aufbruchs und der Frische. Die Menschen begegnen einander herzlicher, offener als früher. Die Gespräche in den Cafés versprühen mehr Energie, in den Geschäften spricht aus jungen Gesichtern ehrliches Interesse an Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft.

Es scheint, als habe die Stadt durch den Zuwachs von sechs Umlandgemeinden auch an Selbstbewusstsein gewonnen. Ich bin wieder wer – als fünftgrößte Stadt der Steiermark braucht sich Feldbach nicht mehr zu verstecken hinter Fürstenfeld oder Gleisdorf, wo sich in den vergangenen Jahren so viel getan hat. An den Veranstaltungen, Initiativen und für die Zukunft geplanten Vorhaben im gesamten Stadtgebiet lässt sich ablesen, dass die Herausforderungen erkannt und angenommen wurden. Überall ist dieser positive Zugang sichtbar und wird von allen, die offen sind und sich begeistern lassen, gerne mitgetragen.

Auf einmal fühle ich die Vorfreude, meine alte Heimat neu kennenzulernen, sie wieder zu erobern und zum Herzensort meines Lebens zu machen. Diese Stadt wird in meine Geschichten fließen wie Graz, wie das venezianische Feltre, wie Salzburg. Überall habe ich als Schreibender meine Lieblingsplätze, trinke meinen Cappuccino und schnappe Ideen auf. So habe ich stets etwas gefunden, das der Niederschrift lohnt – wie auch diese Zeilen.

Wer nach beinahe zwanzig Jahren in seine Heimatstadt zurückkommt, nimmt wohl zwangsläufig eine Ambivalenz zwischen dem Gestern und dem Heute wahr. Man sucht Orte der Kindheit auf, etwa die Stelle am Fluss, wohin man sich in der ersten Sehnsucht nach Einsamkeit begeben hat. Dort ist es heute nicht mehr still; ein Spielplatz hat die Ruhe von damals in laute Fröhlichkeit verwandelt. Die Schule, neu renoviert und erweitert, wirkt heller und lebendiger, vielleicht weil ich sie als Gast eines Absolvententreffens besuche, frei von jeder Sorge um eine schlecht verlaufene Lateinschularbeit. Ich schaue alles an, höre zu, verknüpfe meine Erinnerungen an jene Zeit mit den Erfahrungen von jahrelanger Abwesenheit zu einem starken Band, aus dem ich meine Gegenwart gestalten will.

Und so entscheide ich mich dafür, Feldbach und die Südoststeiermark mit dem gleichen Anspruch an mich selbst neu zu erleben, wie ich es mit Salzburg und anderen Orten getan habe: neugierig, aufmerksam, vertrauensvoll. Bei „alten“ Orten ist die Gefahr groß, in ein „ist eh alles gleich, kenn‘ ma schon“ zu verfallen. Dabei vergisst man die Bedeutung des Blickwinkels: Wer mit alten Augen und nur durch Erinnerungsbrillen um sich schaut, wird nichts Neues erkennen. Sind aber die Augen das Eingangstor zur Wahrnehmung, kann die Freude an positiven Veränderungen tief empfunden werden.

Wenn wir unsere Neugier bewahren, finden wir überall einen Grund zum Staunen: über unsere Lebendigkeit, unsere Fähigkeit zu wachsen und zu lernen durch Begegnungen, die im Gestern gleich wertvoll sein werden wie im Jetzt. So finde ich ein neues Zuhause in meiner alten Heimat.

Erkenntnis des Tages: Das Leben hält unzählige Geschenke für uns Menschen bereit. Eines davon ist die Neugier auf Entdeckungen. Oft finden sich diese an unscheinbaren, längst gekannt geglaubten Orten. Sie werden übersehen, weil viele schon verlernt haben, genau hinzuschauen.

Zitat des Tages: „Wie geht es Ihnen mit der Corona-Krise?“ – „Ach wissen Sie, man wurschtelt sich halt so durch.“ (Auch am Friedhof gibt es nur ein Thema – doch hier ist alles wie immer.)

Song des Tages: Take Me Home, Country Road (Auf  John Denvers Landstraße hätte es vielleicht kein scharfes Radar gegeben.) https://www.youtube.com/watch?v=IUmnTfsY3hI

Feder

 

Der Kernölbotschafter trifft Señora Corona

Das etwas andere Tagebuch

KB Maske01

 

21. April 2020: Älter werden

Hey KB, stylische Maske! Abgesehen davon: Weißt du überhaupt, wie spät es ist?

Ich bin heute ein bisserl spät dran, sorry. Laut Alexa ist es 10 vor 5.

Exakt, aber am Nachmittag, nicht in der Früh. Seit wann nimmst du dafür eine Frau zuhilfe?

Seit sie bei mir eingezogen ist. Ist dir klar, HG, warum für diesen Sprachassistenten eine weibliche Stimme gewählt wurde?

Du wirst es mir bestimmt gleich mitteilen, o Kernölbotschafter, Hüter der Weisheit.

Streng deine kleinen grauen Zellen ruhig selbst ein bisschen an – das ist doch klar wie Rindsuppe ohne Frittaten. Weil sie immer zurückredet! Weil sie auf alles eine Antwort hat! Und wenn sie sich einmal nicht auskennt, gibt sie das nicht zu! Stattdessen sagt sie: „Hier ist Musik, die dir gefallen könnte“, und spielt irgendeinen Schrott. Ich sage dir, die Welt steht nimmer lang, Jetzt überholen uns die Damen sogar schon bei der Technik! Wo soll das noch hinführen, bitteschön?

Naja, in der Satire sind wir aber noch vorn.

Du meinst, ich bin vorn. Das kann schon sein, aber sie planen sicher längst den Angriff auf diese unsere letzte Bastion. Wenn wir sie nicht mit allem verteidigen, was wir haben, sind wir geliefert!

So trübe Gedanken heute? Und wenn es gestattet ist, du schaust ziemlich fertig aus. Wie kommt’s?

Ich weiß auch nicht … Das warme Wetter tut mir nicht gut.

Frühlingsgefühle?

Spürt man die in den Knochen? Wenn ja, wäre ich der größte Casanova seit … äh … Casanova. Die Wahrheit ist viel trauriger: Mir tut mein Kreuz so weh, dass ich heute fast nicht aus dem Bett …-

Das ist es, mein lieber KB! Du wirst älter!

Hör auf, HG, du machst mir Angst!

Kein Grund, dich zu fürchten. Weißt du, warum Geburtstage die gerechteste Erfindung aller Zeiten sind? Jeder Mensch kommt einmal im Jahr dran!

Wenn deine Knochen so schwach sind wie deine Pointen, besteht nicht mehr viel Hoffnung!

Und genau deshalb bist du bei mir angestellt, KB. Was ich sagen wollte: Alter ist immer eine Frage der Perspektive. Erinnerst du dich an die beiden Autostopperinnen vor zwanzig Jahren in Rif?

Älter werden

„Mei, des is‘ liab von dir!“, tönten die beiden jungen Damen nahezu gleichzeitig, während sie mit klatschenden Geräuschen meine Rückbank in Beschlag nahmen. Die Kleinere der beiden, welche die Forschere zu sein schien, schloss ihrer freudigen Dankbarkeit gleich eine Aufforderung an: „Du foast eh noch Soizburg?“

„Eigentlich nur bis Rif“, erwiderte ich wahrheitsgetreu, doch es brauchte nicht ihre erschrockenen Gesichter, damit mir einfiel, dass ihnen damit nicht geholfen war. Wenn ich sie in Rif (diesem Dorfanhängsel, das nicht wusste, ob es zu Hallein oder zu Salzburg gehören wollte) absetzte, wäre das keine nette Geste, sondern hinterhältiger, als sie im Halleiner Regen stehen zu lassen. Von dort würden sie kaum weiterkommen.

Doch der Engel, der in jener Nacht auf meiner Schulter saß – und ob der gezeigten Nächstenliebe schon stolz auf mich war –, flüsterte mir bereits eifrig ins Ohr.

Warum bringst du die beiden Mädchen nicht nach Salzburg? Sie waren im Kino oder bei Freunden und haben den letzten Bus versäumt. Ihre Eltern machen sich sicher schon Sorgen.

Es sprach wirklich nichts dagegen, die gute Tat um zehn Kilometer zu verlängern, also reichte ich den Vorschlag des Engels gleich an meine Fahrgäste weiter.

„Mei, super!“, rief die Kleinere so laut, dass ich zusammenzuckte. „Do homma heit a Glück, Manu!“

Nach einer Weile begannen der Arbeitstag und die späte Stunde schwer auf meine Lider zu drücken. Also versuchte ich, eine Unterhaltung in Gang zu bringen.

„Was macht ihr zwei denn so?“

„Chris studiert, und ich arbeite in Hallein“, erwiderte Manu, und mir fiel auf, dass ihr Dialekt kaum hörbar war. Kaum hatte ich diesen sekundenlangen Gedanken beendet, griff ihre Freundin das Thema auf.

„Von do bist du oba nit“, stellte sie treffsicher fest. „Woher kummst?“

„Aus der Steiermark“, gab ich zurück, ein wenig zerknirscht darüber, dass selbst nach vier Jahren ein einziger Satz genügte, um diesbezüglich Erstaunen auszulösen. Obwohl ich schon viele hiesige Vokabel in meine Umgangssprache eingebaut habe, werde ich immer noch auf frischer Tat ertappt. Chris aber schien mit der erteilten Auskunft zufrieden und verstummte.

„Wo wart ihr heute Abend?“, wechselte ich auch gleich gekonnt und hochdeutsch das Thema, als wir die Stadtgrenze erreichten.

„Bei mir“, ertönte Manus Stimme knapp. Irgendetwas an ihrer Antwort kam mir seltsam vor, doch ich konnte es nicht klar deuten. Als ich mich aber nach dem Ort erkundigte, wo ich sie absetzen sollte – eine informative Formalität gewissermaßen –, wurde mein eigentlich felsengleiches Selbstbewusstsein aus der Bahn geworfen. Nicht von der genannten Stelle, sondern durch die schockartige Aufklärung des Irrtums, welchem ich gemeinsam mit meinem Engel aufgesessen war.

„Wir möchten auf der Staatsbrücke aussteigen.“

„Wie bitte?“ Verstanden hatte ich es schon; trotzdem musste ich es noch einmal hören.

„Na ja, nicht direkt auf der Staatsbrücke“, setzte Manu nachsichtig hinzu. „Irgendwo in der Gegend.“

„Wir miass’n vorher eh no zur Nochttrafik“, meldete sich Chris wieder zu Wort, und damit konnte ich mir endlich eingestehen, dass meine Hilfsbereitschaft nicht Heimkehr, Pyjama und Nachtgebet zum Ziel hatte, sondern Shamrock, O’Maley’s und Chez Roland. Oder ein wenig plakativer ausgedrückt: Antrinken, Abtanzen, Einrauchen.

Zum ersten Mal in meinem Leben verstand ich den Begriff vom Generationswechsel. Meine eigenen Sinne verlangten nur noch nach Schlaf, während die beiden Damen in meinem Wagen, nach persönlicher Schätzung gerade zwanzig, erst so richtig loslegten. In diesem Moment kam ich mir unglaublich alt vor. Es wurde sogar noch schlimmer, denn jetzt schlug auch noch der Vaterinstinkt bei mir durch.

„Wie kommt ihr wieder nach Hause?“

„Um halb sechs geht der erste Zug“, informierte mich Manu fröhlich und versetzte mir dadurch einen weiteren Tiefschlag. Doch wie die Selbstverständlichkeit in ihrer Stimme vermuten ließ, war das ein durchaus üblicher Termin.

„Oder wir stoppen“, meinte Chris beim Aussteigen. Die beiden bedankten sich, warfen mir noch ein cooles Ciao zu und waren verschwunden.

Unter meiner Bettdecke, schon auf der Fähre ins Traumland, kam mir meine Sorge um ihre sichere Heimkehr unbegründet vor. Irgendein alter Knacker wie ich würde sie schon mitnehmen.

 (Aus „Der Kernölbotschafter – Satirische Miniaturen“ Weishaupt Verlag, Gnas 2006/2015)

Erkenntnis des Tages: Nicht nur Geburtstage sind unausweichlich, auch gute Taten. Wenn wir im richtigen Moment unserem Herz die Führung überlassen, gelingen sie und kommen vielfach zurück.

Zitat des Tages: „Hast du ein paar von diesen Ferrari-Schokoladen, damit ich mich bei Christl für die Zwetschken bedanken kann?“ (Meine Mutter kennt meine Vorliebe für Ferrero Rocher.)

Song des Tages: Stranger In A Car (Der wunderbare Liedermacher Marc Cohn singt das Lied für alle Autostopper dieser Welt. https://www.youtube.com/watch?v=P3jqSEshkhs

Feder

Was ich Ihnen schon immer ...!

Der Kernölbotschafter bleibt am Ball

12. Februar 2020: Sehr geehrte Frau Dr. Pamela Rendi-Wagner!

Manchmal ist es einfach so: Wenn man kein Glück hat, kommt Pech auch noch dazu. Da waren Sie endlich dabei, die ersten größeren Geschütze gegen den Kanzler aufzufahren, und plötzlich versetzt Ihnen ausgerechnet die KronenZeitung, längste Zeit das schreibende Sprachrohr des von euch Sozen so beschworenen kleinen Mannes, einen bitteren Stich ins Herz des gerade erst zart aufkeimenden Selbstbewusstseins.

In der bunten Sonntagsbeilage des rotweißroten Leitmediums, seit jeher unfassbar kreativ Krone Bunt betitelt, fand sich unter dem Aufmacher Das Jahrhundert der Frauen eine Rangliste der weiblichen Prominenz Österreichs. Die Top 100 jenes Geschlechts, das nur mehr solche Männer schwach nennen, die unbedingt wissen möchten, wie sich ein von geballter Frauen-Power losgetretener Shitstorm am eigenen Leib anfühlt.

Warum Karoline Edtstadler die Liste anführt, liegt jenseits meines Erkenntnishorizonts. Wohl ist sie Europaministerin und gilt als knallharte Karrieristin, aber gute Ellbogentechnik allein sorgt nicht für Bekanntheit und Bedeutung. Es könnte aber sein, dass die perfekte Message Control des Kanzlers wieder zugeschlagen hat – zähneknirschend nahm er zur Kenntnis, dass er diesmal ausnahmsweise nicht von der Spitze des Rankings lachen konnte. Daraufhin machte Sebastian Kurz seinen Einfluss geltend, damit es wenigstens eine ihm genehme Dame tut.

Jetzt denken Sie bestimmt: „Diese Sorge möchte ich haben!“, Frau Dr. Rendi-Wagner. Verständlich, denn mit den Spitzenplätzen der 100 wichtigsten Frauen Österreichs haben Sie nicht wirklich viel zu tun. Genauer gesagt, gar nichts. Ihr Zeigefinger musste auf der Liste ein ganzes Drittel nach unten rutschen, bis Sie Ihren eigenen Namen notiert fanden.

Als Vorsitzende der wichtigsten Oppositionspartei der Republik liegen Sie – gut festhalten! – am 33. Platz. Das löst entweder Depressionen oder den heftigen Wunsch aus, sich sofort einen Rausch des Vergessens anzusaufen. Wahrscheinlich fällt Ihr Rang deshalb auf eine Schnapszahl. An dieser Stelle hätten Sie das knallbunte Machwerk zuschlagen und sämtliche Krone-Abos aller SPÖ-Funktionäre auf einen Schlag kündigen sollen. Das haben sie nun davon, diese selbstgerechten, überheblichen, frechen Journalisten!

Aber … naja … Sie sind auch nur ein Mensch und als solcher von Natur aus neugierig. Also warfen Sie doch einen Blick auf die vor Ihnen gereihten Namen. Karoline Edtstadler? Die hat bestimmt jemanden bestochen. Doris Schmidauer? Kannte kein Schwein, hat aber immerhin gut geheiratet und ist jetzt First Lady. Brigitte Bierlein? Hätte ich verhindern können, habe ich aber nicht.

Sie schluckten die Erkenntnis, nun nie mehr erste Bundeskanzlerin Österreichs werden zu können, hinunter und gingen weiter die Liste durch. Bald setzte es den nächsten Tiefschlag – Mirjam Weichselbraun ist 14.! Dancing Stars und Opernball sollen wichtiger sein als Spitzenpolitik? Sie verstanden die Welt nicht mehr. Noch dazu macht dieses Blondchen Werbung für Spar Natur Pur! Wenn die sich vor eine Almhütte stellt und den versammelten Kühen „Ich will Bundeskanzlerin werden!“ zuruft, kriegt sie mehr Vorzugstimmen als der Strache eine Woche nach Ibiza!

Ihre Sehnsucht, wieder als Tropenmedizinerin zu arbeiten, muss übermächtig gewesen sein. Das verstehe ich, aber zugleich rufe ich Ihnen zu: Es gibt Hoffnung! Auf Platz 19 der einflussreichsten Frauen Österreichs finden Sie eine gewisse Eva Dichand. Als Herausgeberin hat sie einen großen Vorteil: Sie muss nicht rufen: „Ich will Bundeskanzlerin werden!“, sondern kann, kraft ihrer Zeitung, einfach eine machen. Vielleicht laden Sie die Dame auf einen Kaffee in die Löwelstraße ein und beraten darüber, wie Sie doch noch die Macht im Land ergreifen können.

Also besser das KronenZeitung-Abo doch nicht kündigen.

Freundschaft! Der Kernölbotschafter

Feder

 

Neue Briefe, die nie verschickt wurden

 

24. Dezember 2019: Liebes Christkind!

Bestimmt wirst du heute von Wünschen aus allen Richtungen überschwemmt. Dabei tritt ein Phänomen auf, das in unserer Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt: Wir wünschen uns etwas, bekommen aber etwas anderes. Die philosophische Auslegung könnte lauten, dass der Schenkende am besten weiß, was der Beschenkte besonders dringend braucht. Blöd nur, wenn die Ansichten der beiden himmelweit auseinanderliegen.

Die Kernölbotschafter-Redaktion dankt dir sehr dafür, einen Einblick in das Hätte ich gerne gehabt / Wo kann ich das jetzt bloß umtauschen?-Spiel erhalten zu haben. Findet diese Prämisse auf die österreichische Politprominenz Anwendung, ergeben sich daraus bemerkenswerte Erkenntnisse.

Pamela Rendi-Wagner wünscht sich viele Spenden für den Neuanfang der SPÖ. Bekommen wird sie jedoch nur ein gebrauchtes Navi um zu prüfen, ob die Richtung wirklich stimmt. Die Garantie dafür ist schon lange abgelaufen, aber ein neuwertiges Gerät lassen die Finanzen der Partei heuer beim besten Willen nicht zu.

Heinz Christian Strache wünscht sich eine neue Partei und ein paar neue Freunde. Wunsch 1 ist zu einem Neuntel schon in Erfüllung gegangen, auch wenn ihm der Titel nicht gefällt. Strache hatte ZPÖ vorgeschlagen, Zack-Zack-Partei Österreichs. Dieser Begriff ist den meisten Staatsbürgern vertraut und hätte zudem auf Grund der klanglichen Nähe den dahinsiechenden Sozialisten noch mehr Wasser abgegraben. Wunsch 2 kann sich Strache selbstredend aufzeichnen. Bekommen wird er eine von den Mitgliedern des FPÖ-Bundesvorstandes signierte Ibiza-Abenteuer-Landkarte, auf der alle zur Miete stehenden Villen markiert sind. Außerdem noch viele Einladungen von Staatsanwälten und Untersuchungsausschüssen – für alle möglichen Anlässe, aber leider nicht übertragbar.

Werner Kogler ist bescheiden. Er wünscht sich heuer gar nichts zu Weihnachten, weil er das ganze Jahr über schon so viel bekommen hat. Aber natürlich liegt auch für ihn ein Packerl unter dem Baum. Es ist eine Wundertüte mit magischem Verschluss; der lässt sich erst öffnen, wenn die Koalition mit der ÖVP steht. Danach wird sich zeigen, was die Grünen als Regierungspartei wirklich kriegen – das ganze Land wartet gespannt darauf, ob sie sich freuen oder nach einiger Zeit wieder in Opposition umtauschen wollen.

Die NEOS wünschen sich wie jedes Jahr Friede, Freude, Eierkuchen. Das bekommen sie auch, leider aber untrennbar kombiniert mit der Versicherung, weiterhin als sehr engagiert, aber wenig bedeutend zu gelten. Den Mitgliedern macht das gar nichts aus; schon seit der Gründung haben sie ihre Politik mit viel Lebensberatung vermischt. Wenn es im Parlament nicht klappt, treten sie halt zurück und schreiben einen Selbsthilfe-Ratgeber.

Was sich die ÖVP wünscht, hast selbst du, liebes Christkind, nicht herausgefunden; da hat die parteiinterne Message Control wieder perfekt funktioniert. Bekommen wird sie den gleichen Jung-Alt-jetztwiederJung-Kanzler, samt aller damit verbundenen Probleme. Zweifellos wird Sebastian Kurz in der Lage sein, jede noch so heftige Schwierigkeit wegzulächeln. Sollte die Regierung ein weiteres Mal scheitern, kann der smarte Anfangsdreißiger mit diesem Gesicht direkt zur jährlichen Live-Moderation des Opernballs wechseln. Auch wenn er sich dort noch mindestens zwanzig Jahre mit Richard Lugner herumschlagen muss – seine Zukunft ist gesichert.

Nur die Kernölbotschafter-Redaktion wird todsicher bekommen, was sie sich wünscht: mehr Geschichten rund um die Erdkugel, als sie satirisch beleuchten kann. Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, was ja auch sein Gutes hat.

Liebes Christkind, richte allen Freundinnen und Freunden meiner Kolumne ein Frohes Weihnachtsfest aus! Und mögen die meisten doch von dir bekommen, was sie sich wünschen, hofft

Der Kernölbotschafter

Feder

 

19. Dezember 2019: Lieber Heinz Christian Strache!

Ich habe mich lange dagegen gewehrt, dir einen Brief zu schreiben, aber jetzt lässt du mir keine andere Wahl. Was heute die Nachrichtenspatzen von den Medienhausdächern pfeifen, krönt dich endgültig zu Österreichs allherrschendem König der politischen Realsatire.

Aber nun wissen wir wenigstens eines sicher: Das Angebot der Oligarchen-Nichte auf Ibiza ist dir doch ein bisserl suspekt vorgekommen. Deshalb hast du nach dem Platzen der Balearischen Bombe einen Detektiv engagiert, um einige Parteifreunde abzuchecken. Wenn es nicht die eigene Blödheit war, bleiben nur sie als Fallensteller übrig.

Du verhältst dich wie ein bestochener, absichtlich falsch pfeifender Schiedsrichter, der erwischt wird und danach die betrogene Mannschaft anzeigt. Oder wie ein fremdgehender Ehemann, der seine Gattin nach selbst getaner Tat der Untreue bezichtigt. Oder wie ein Hund, der fremde Knochen … stopp! Bevor meine Vergleiche noch treffender werden, komme ich lieber zur schönsten Perle in deiner Krone, zum absoluten Sahnehäubchen.

Deine verdeckten Ermittlungen wurden entdeckt, weil du (wohl aus alter Gewohnheit) die Rechnung für den Detektiv an deine Partei geschickt hast! Damit wir das auf die Reihe kriegen, noch einmal langsam und für alle zum Mitschreiben: Du bezichtigst deine Partei des Betruges, nur um sie dann selbst zu betrügen???

Seit ich von dieser gigantischen, unschlagbaren, genialen Chuzpe gehört habe, zermartere ich mir das Hirn, wie ich das satirisch toppen könnte. Aber ich muss gestehen, HC: Mir fällt nichts ein.

Zwei Vermutungen aus dem blauen Dunstkreis sind nun allerdings zu Tatsachen gewachsen. Die von dir so heftig abgestrittenen Spesenverrechnungen sind keine FPÖ-Gemeinheiten, sondern entsprechen der Wahrheit. Und dein früherer Parteifreund Norbert Hofer tat einen prophetischen Blick in die Zukunft, als er einst sagte: „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist.“

Was soll ich dir für das Neue Jahr wünschen, HC? Bleib so, wie du bist, erscheint mir nicht ganz passend. Also bleibe ich bei dem, was ich dir schon ganz lange sagen will. Wach auf, aber schnell. Und wenn möglich: weit, weit weg.

In Erwartung des nächsten Skandals, Der Kernölbotschafter

Feder

 

12. Dezember 2019: Sehr geehrte Käufer der Kunst-Banane!

us gegebenem Anlass bietet diese Kolumne ein kleines Kernölbotschafter-Einmaleins rund um die Banane. Keine Ahnung, ob es Ihnen hilft, aber manche Dinge müssen aus geistig-hygienischen Gründen einfach gesagt werden.

Banane, die Frucht: Gehört zur Familie der Bananengewächse innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen (danke, Wikipedia!). Was wir so gerne roh essen, nennt sich Desertbanane und enthält viel Kalzium und Vitamine. Die veredelte Form, vom Likör bis zur Schokobanane, ist eine wahre Bombe aus Süß und hat wohl deshalb den Schlechtes-Gewissen-Zusatz Sünde bekommen.

Banane, die Spielweise, (Variante A): Wer sich an Manfred Kaltz erinnert, kennt auch noch den Begriff der Bananenflanke. Der kultige Verteidiger des Hamburger SV rannte mit dem Ball über das gesamte Spielfeld bis zur gegnerischen Grundlinie und schlug eine Flanke in Bananenform vom Tor weg in der Hoffnung, das Kopfballmonster Horst Hrubesch möge sich der Frucht (wieder eine Analogie!) in geeigneter Form annehmen. Daraus entstand die unter Freunden des Sportkabaretts noch immer kreisende Phrase „Er banante den Ball …“

Banane, die Spielweise, (Variante B): Freunden der gepflegten Pokerei wiederum ist der Ausruf „Du hast ja nur Banane!“ wohlbekannt. Damit werden Spieler betitelt, die es leid sind, auf gute Karten zu warten, und deshalb gezwungenermaßen versuchen, schlechte Hände in einen guten Bluff zu verwandeln. Von einer zu häufigen Anwendung dieser Strategie ist dringend abzuraten; sie kommt auf Dauer ziemlich teuer und verringert auf dramatische Weise den Respekt anderer Spieler. Aber hin und wieder macht es zweifellos Spaß, einem geschlagenen Gegner die Kärntner Nuts (eine 4 und eine 7 verschiedener Farbe, viel schlechter geht es beim Texas Hold’em nicht) zu präsentieren.

Banane, die Republik: Schimpfwortgleiche Bezeichnung für Länder, die es nicht schaffen, eine funktionierende Verwaltung, einwandfreie Wahlen oder ein korruptionsfreies Staatswesen zu organisieren. Keimzellen solcher Gebilde gibt es beinahe überall: In einer Villa auf Ibiza versuchte etwa der heute vielfache Ex- Heinz Christian Strache, die Alpenrepublik in eine Bananenrepublik zu verwandeln – vielleicht um zu erforschen, ob in den Alpen auch Bananen angebaut werden können. Bislang wurde er jedoch noch auf keiner Bananenplantage gesichtet. Dem Vernehmen nach sollen sich die Besitzer geweigert haben, Strache einen Beleg für seine Reisekostenabrechnung auszustellen. Außerdem wollten sie die versprochenen Almengrundstücke in Naturalien anzahlen – aber mit so großen Sporttaschen wollte sich HC nicht abplagen.

Banane

Banane, das Kunstwerk: Last but not least zu eurer Banane. Der italienische Künstler Maurizio Cattelan kam auf die geniale Idee, eine Banane mit Paketklebeband an die Wand zu picken – fertig war die Kunstinstallation. Als ich jedoch las, was ihr dafür ausgegeben habt (mehr als 100.000,-- Euro!), stellten sich mir doch einige Fragen: Habt ihr anstelle des Gehirns nur Bananenmus im Kopf? Oder wisst ihr schlicht und einfach nicht, wohin mit eurer Kohle? Spenden wäre ein Vorschlag, aber klar, dann würde der Aufreger fehlen. Für den sorgte David Datuna, der sich die Performance Hungry Artist ausdachte und die Banane verspeiste. Aus Obst wurde Kunst, aus Kunst wurde Obst, dessen Verzehr wiederum Kunst wurde. Damit kann mit gutem Recht dem Lexikon eine neue Bedeutung hinzugefügt werden.

Banane, die Spezies (lat. Homo bananensis): Leute, die sich für dumm verkaufen lassen und auch noch horrend dafür zahlen.

Für diese Erkenntnis herzlich dankend, Der Kernölbotschafter

Feder

4. Dezember 2019: Liebe SPÖ!

Einserfrage an alle Genossinnen und Genossen: Warum erfährt man nichts von den spannenden Koalitionsverhandlungen zwischen Türkis und Grün? Antwort: Weil sich derzeit öffentlich alles nur um die chaotischen Zustände dreht, die die einst ach so stolze Sozialdemokratische Partei seit Jahren im Griff haben. Um den Startpunkt der Pleiten-, Pech- und Pannenserie zu definieren, braucht man nicht lange zu recherchieren: Los ging es genau an jenem Tag, als Sebastian Kurz die ÖVP übernommen und wie ein geübter Malermeister umgefärbt hat.

Apropos Recherche: Im Vergleich zu den Mauscheleien, Kuriositäten und Eine-Hand-wäscht-die-andere-Deals in der alpenrepublikanischen Innenpolitik, denen die Kernölbotschafter-Redaktion in letzter Zeit auf die Spur gekommen ist, schrumpfen die berühmten Panama-Papers zur Spatzenpost. Und jetzt ist – frei nach Kommissar Brenner – schon wieder was passiert. In der Löwelstraße hat sich ein Schwarzes Finanzloch aufgetan, auf das der selige Stephen Hawking zu Lebzeiten stolz gewesen wäre.

Über die Entstehung des Lochs – immerhin rund 15 Mille Miese – gehen bei euch die Meinungen auseinander. Euer ehemaliger Strahlemann Christian Kern war schnell da mit der Behauptung, während seines doch recht kurzen Vorsitzes ein Drittel dieser Schulden abgebaut zu haben. Wie ihm das als fahrender Pizzabote gelungen ist, bleibt sein knuspriges Geheimnis. Weil er seinen Posten samt angefressenen Gesicht gemäß dem Motto Nach mir die Sintflut hingeschmissen hat, konnte Kern nicht sagen, wer die Schulden wieder aufgebaut hat – falls sie jemals wirklich abgebaut waren. Also liegt es doch wieder an den investigativen Nachforschungen des Kernölbotschafter-Teams, Licht ins monetäre SPÖ-Dunkel zu bringen. Und siehe da: Die erste Kerze brennt bereits!

Im Grunde ist es nicht besonders schwierig, aber ich weiß schon: Manchmal sieht man den Wald vor lauter noch zu stehlender Christbäume nicht. Aber nicht nur uns sollte ein Licht aufgehen bei der Überlegung, was zeitglich mit dem Niedergang von euch Roten begonnen hat: Der wahre Aufstieg des ehemaligen Zahntechnikers Heinz Christian Strache an die Spitze der Bundespolitik!

Nicht lange nach der Installierung von Türkis-Blau muss sich bei HC jedoch Frust breitgemacht haben. Wahrscheinlich dachte er sich: Jetzt bin ich endlich Vizekanzler und Minister, aber den ganzen Ruhm sahnt der Basti ab. Seinen Grinser kennt man in ganz Europa, mich kennt niemand. Dabei war ich es, der den Sozen so viel Stimmen geklaut hat, damit sich Rot-Schwarz sicher nicht mehr ausgeht!

Dazu kam, dass Strache jetzt viel mehr Zeit hatte, weil er nicht mehr bei jedem Zeltfest, Frühschoppen und sonstigem Hunderschlagen zwischen Schruns-Tschagguns und Neusiedl am See gegen die aktuelle Regierung poltern konnte. Also suchte er sich ein neues Betätigungsfeld. Und siehe da, er fand es – indem er Rechnungen an eure Parteizentrale weiterschickte. Ein Insider aus gemeinsamen Wiener GR-Zeiten verriet ihm den Code, mit dem jede Ausgabe als Spesenersatz verbucht wurde: Yes we Pam!

Wenn man bedenkt, was so eine Villa in Klosterneuburg an Miete kostet, dazu das ganze Hundefutter und der Schiurlaub während des Papamonats … da kam schon ordentlich etwas zusammen. Doch zu HCs Glück habt ihr euer Schwarzes Finanzloch nicht kontrolliert, weil ihr ständig nur über hilflose Erklärungen nachgedacht habt, warum eure Wahlergebnisse immer schlechter werden. Dann kam Ibiza, und es konnte nicht lange dauern, bis aus Straches Freunden Parteifreunde wurden. Sein Krug zerbrach so schnell, dass er sich jetzt gar nicht mehr daran erinnern kann, überhaupt jemals damit zu eurem Brunnen gegangen zu sein.

Sollte meine Theorie nicht stimmen, ist sie wenigstens gut erfunden. Ich wünsche euch von Herzen, dass euch das Christkind neue Geldquellen, Erleuchtungen und vielleicht sogar eine/n neue/n Vorsitzende/n bringt. Wenn möglich, nicht Georg Dornauer. Der schießt zwar gern scharf, soll aber (Zitat aus der „Presse“) nicht die hellste Kerze am Weihnachtsbaum eurer Parteizentrale sein.

Adventliche Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

28. November 2019: Sehr geehrter Herr Vizepolizeidirektor!

Ich schreibe dieses Brieflein nur, weil es keinen Sinn hat, Sie persönlich anzurufen. Sie würden mich ja doch nicht an der Stimme erkennen, was mich wiederum zur mittlerweile berühmt gewordenen Frage zwingen würde: „Wissen Sie nicht, wer ich bin?“

Macht diese Frage überhaupt Sinn? Hat es einen Mehrwert für Sie, von jemandem am Telefon erkannt zu werden? Bekommen Sie dadurch vielleicht mehr Bonuspunkte auf Ihrem A1-Konto? Irgendeinen Knopf muss der arme Mann am anderen Ende der Leitung bei Ihnen gedrückt haben, denn sonst sehe ich keinerlei Grund, dass Angestellte der gleichen Behörde kein zivilisiertes Gespräch unter Kollegen, wenn auch unterschiedlichen Ranges, führen können.

Kleiner Tipp fürs nächste Mal: Wenn Sie nicht gleich mit der erwarteten Huldigung begrüßt werden, sagen Sie einfach: „Hallo, hier Vizepolizeidirektor Gaisch. Mit wem spreche ich bitte?“ Wenn der Angerufene nicht ganz aus der Rolle fällt – was am Notruftelefon der Polizeit nicht zu erwarten ist –, wird er seinen Namen nennen und höflich fragen: „Wie kann ich Ihnen helfen?“

Sie werden sehen, wie angenehm sich das anfühlt. Und ganz nebenbei bringt es Ihnen auch noch Respekt ein. Diesen kann man sich nämlich nicht erschreien, man muss ihn geschenkt bekommen.

Freiwillig, versteht sich. MfG, Der Kernölbotschafter

 Feder

 

22. November 2019: Lieber Georg Dornauer!

Und wieder einmal war alles nur ein großes Missverständnis. Jetzt stehen Sie als vergesslicher Waffennarr da, nur weil Sie am Innsbrucker Flughafen ein Jagdgewehr in Ihrem Porsche vergessen haben. Gut, das Autofenster stand offen und der Prügel war geladen, aber Sie wollten bei Gott niemanden zum Diebstahl oder anderen Straftaten einladen, wie das jetzt von den anderen Parteien so kindisch-kleinlich trompetet wird. In Wahrheit wollten Sie zur Auflösung eines viel größeren Verbrechens beitragen. Obwohl es für diese Erkenntnis ausreicht, zwei und zwei zusammenzuzählen, muss ich ein bisschen weiter ausholen.

Wann immer die Kernölbotschafter-Redaktion Satirisches zu HC Strache und Co. publizieren will, wird sie aus dem Windschatten der Realität überholt; zuletzt von der Casino-Affäre, bei der offenbar so viele Hände aufgehalten wurden, dass jenes Becken, um sie alle in Unschuld zu waschen, gar nicht groß genug sein kann. Das wäre doch ein aufgelegter Elfer ohne Tormann für die Sozen, doch aus irgendeinem Grund traut sich Ihre Chefin nicht, diesen ins Tor zu rollen. Seit der Misstrauensantrag nach der Ibiza-Explosion so kolossal in die Hose gegangen ist, kommt Pamela Rendi-Wagner kaum noch aus der Deckung – verständlich, wenn man sich in der Tropenmedizin auskennt, aber noch nie den zweiten Teil des Sprichwortes Wer anderen eine Grube gräbt gehört hat.

Deshalb wurde in der letzten Vorstandssitzung der SPÖ keine neue Angriffswelle auf Türkis, Schwarz, Grün, Blau und sämtliche anderen Farben beschlossen. Der burgenländische Landeshauptmann haute zwar einmal kräftig auf den Tisch, doch niemand verstand, was er danach sagte. So blieben die Zweifler in der Mehrheit, die ängstlich raunten: „Was ist, wenn außer ein paar Chat-Protokollen und Daumen-hoch-Emojis nichts übrig bleibt? Ein minderbegabter Bezirksrat wurde auf einen Vorstandsposten geschoben – so what? Wenn man bedenkt, wen wir seit dem EU-Beitritt allein zwischen Brüssel und Wien hin und her geschoben haben, sollten wir leise sein und abwarten, bis eine echte Smoking Gun auftaucht.“

Als Sie das hörten, begannen sich in Ihrem Kopf kleine Rädchen zu drehen. In die falsche Richtung, wie man heute weiß, aber den Willen zu helfen kann Ihnen niemand absprechen. Manchmal geht der Schuss halt nach hinten los.

Flugs begaben Sie sich in Ihre Heimat, holten das Jagdgewehr aus dem Schrank in der Hoffnung, es würde als Gun durchgehen, und rauschten damit zum Flughafen, wo Sie es per Luftfracht aufgeben und rechtzeitig vor der nächsten Hausdurchsuchung der Wirtschafts- und Korruptions-Staatsanwaltschaft von einem Parteifreund, der Ihnen noch etwas schuldig war, verstecken lassen wollten. Blöderweise rief genau in dem Moment, als Sie Ihren Porsche am Flughafen Innsbruck einparkten, ein anderer Freund an und berichtete ganz aufgeregt von einem riesigen Goldschatz der FPÖ in Osttirol, dem er auf den Grund gehen wollte.

„Ich bin dir noch etwas schuldig, Schorsch“, brummte der Mann in den Hörer. „Deshalb erzähle ich dir als Erster davon. Stell dir den Skandal vor, wenn das Gold aus dem Krieg stammt! Willst du mitkommen und den blauen Brüdern mit Beweisfotos so richtig eins reinwürgen?“

„Klar, bin dabei!“, riefen Sie, hellauf begeistert. „Wo treffen wir uns?“

„Ich bin gerade am Flughafen.“

„Ich auch.“

„Na perfekt! Dann lass dein Auto stehen und fahr mit mir. Mein Informant simst mir die genaue Adresse unterwegs.“

Weil Männer bekannterweise nicht multitasken können, hatten Sie die Casino-Affäre, die Wiener Parteigenossen und die sprichwörtliche Smoking Gun in Ihrem Porsche augenblicklich vergessen. Sie rauschten nach Osttirol, nur um draufzukommen, dass die Pressemeute schon vor der Pension Enzian  versammelt war. Und überhaupt entpuppte sich der riesige Goldschatz aus dem Krieg als legal bei einer Bank durchgeführter Goldbarrenankauf zur Vermögenssicherung.

In der Zwischenzeit fiel einem Parkwächter in Innsbruck Ihr Porsche auf – samt offenem Fenster und heißer Fracht. Der Rest ist Geschichte.

Ob Sie mit dieser Geschichte auf der SPÖ-Karriereleiter ein paar Sprossen nach oben kraxeln, wage ich zu bezweifeln. Aber sie hat auch etwas Gutes: Mit derlei Aktionen steigern Sie den Bekanntheitsgrad Ihrer Partei in Tirol um mindestens hundert Prozent. Und irgendwann finden Sie auch bestimmt eine rauchende Pistole. Es muss ja nicht die eigene sein.

Weidmannsheil! Der Kernölbotschafter

Feder

 

20. November 2019: Liebe Chefin von Maria’s Bistro!

Mir scheint, Sie haben die letzte Kolumne des Kernölbotschafters gelesen und wollten flugs den Gegenbeweis antreten. Als ich davon erfuhr, fand ich das aller Ehren und sogleich einen neuen Brief aus der Redaktion wert – Herzlichkeiten gehören vor den Vorhang!

Einige Tage ist es her, dass meine Eltern die Pause zwischen zwei Terminen im schönen Bad Gleichenberg nutzten, um bei Ihnen zu speisen. Mein Vater, über 80 und deshalb in Eile wie die meisten Pensionisten, hatte auch schon früher nicht viel übrig für langes Speisekartenstudium. Er sah an einem Wandboard das verlockende Wort Nudelgericht und hatte sich schon entschieden, noch ehe sein Mantel am Garderobenhaken gelandet war.

„Ich nehme das Nudelgericht“, bestellte mein alter Herr sodann knapp und wies zur Tafel. Vielleicht waren Sie erstaunt oder verwirrt, denn er hatte seinen Wunsch nicht präzisiert, welches der angeführten Nudelgerichte er wünschte. Statt jedoch ungeduldig nachzufragen, zeugte Ihre Reaktion von einer Gast- und Menschenfreundlichkeit, die man heute mit der Lupe suchen muss wie eine zu Boden gefallene, noch ungekochte Spaghetti.

„Das steht eigentlich nicht auf der Karte.“ Ihre Entscheidung brauchte nur Sekunden des Nachdenkens. Lächelnd fuhren Sie fort: „Aber wissen Sie, heute ist nicht viel Stress. Ich mache Ihnen das Nudelgericht gern.“

Auf dem Teller, den Sie bald servierten, fanden sich vier kleine Portionen. Pasta asciutta mit einer kleinen Haube aus Fleischsauce, mit Käse überbackene Penne und noch zwei andere.

„Kreation des Hauses – lassen Sie es sich schmecken.“ So war es dann auch.

Und wieder bin ich beim himmelweiten Unterschied. Dieser entsteht durch den kleinen Anstoß, jemandem eine Freude machen zu wollen. Der Lohn dafür ist dankbare Erinnerung, die – weil sie das Herz zu wärmen vermag – länger anhält, als das leidige Hamma net. Und nicht zu vergessen, die baldige Rückkehr als Gast.

Beeindruckte Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

11. November 2019: Liebe Backwarenfachverkäuferin in Butzbach!

Da bin ich alle Heiligen Zeiten im schönen Deutschland unterwegs, und mitten in Hessen renne ich in ein österreichisches Déjà-vu! Heimatgefühle kamen trotzdem nicht auf, eher schon der innige Wunsch, noch weiter weg zu sein. Aber der Reihe nach.

Auf der Flucht vor dem schlechtesten Hotelfrühstück aller Zeiten in Dortmund hatte ich schon gut 200 km hinter mich gebracht, als sich die vom Magen gesandten Signale zur dringenden Nahrungsaufnahme nicht mehr ignorieren ließen. Also verließ ich, seit jeher Autobahnraststätten aus Prinzip und vielen anderen guten Gründen meidend, das deutsche Hochleistungsstraßennetz in der Absicht, dem nächstgelegenen Weiler zwecks spätem Frühstück und / oder frühem Mittagessen einen Besuch abzustatten.

Butzbach war mir vom ersten Moment an sympathisch. Hübsche Fachwerkhäuser an einem nahezu kreisrunder Marktplatz, der noch nicht von Hasi & Mausi und Konsorten zugepflastert war. Eine Gastwirtschaft war auf den ersten Blick nicht zu entdecken, aber da solche Pausen auch immer der körperlichen Betätigung nach Stunden hinter dem Lenkrad dienen, begab ich mich guten Mutes, in den umliegenden Gässchen etwas Passendes zu finden, auf meinen Rundgang.

Gleich hinter der ersten Ecke wähnte ich mich schon am Ziel meiner kulinarischen Wünsche. Eine hell erleuchtete Bäckerei mit fein bestückter Kuchentheke und einladenden Korbsesseln zog meine Schritte an wie ein Magnet leere Blechdosen (kein passender Vergleich, aber egal). Als ein Schild vor dem Eingang auch noch ein großes Butzbacher Frühstück mit allem Drum und Dran feilbot, fuhren meine Speicheldrüsen Sonderschichten, noch ehe ich eintrat.

„Einmal das große Frühstück bitte“, bestellte ich heiter-vorfreudig nach einem Gruß. Ohne die Bestätigung der Dame um die Fünfzig hinter der Budel abzuwarten, ließ ich mich schon dankbar seufzend auf einem Korbsessel nieder. Von diesem Moment an nahm das Geschehen jedoch eine andere, völlig unerwartete Richtung.

„Geht leider nicht mehr“, sagte sie knapp.

In der Annahme, mich verhört zu haben, fragte ich nur: „Wie bitte?“

„Ich kann Ihnen kein Frühstück mehr machen.“

Die Frau schaute mich streng an. Ihr Mund war ein schmaler Strich, die Hände steckten in den Taschen ihrer Arbeitsschürze. Mehr Körpersprache, etwas nicht machen zu wollen, war unmöglich. Mir war klar, dass ich auf verlorenem Posten saß; trotzdem wollte ich den Grund wissen.

„Warum?“

„Weil ich in zehn Minuten Mittagspause habe.“

Meinen Kommentar zu dieser einzigartigen Dienstleistungsbereitschaft verwandelte ich in letzter Sekunde in ein Brummen.

„Was kann ich vor Ihrer Pause noch bekommen?“

„Ein Brötchen und einen Kaffee.“ Dass sie auch über diesen exorbitanten Arbeitseinsatz nicht glücklich wäre, war ihr deutlich anzusehen.

Zehn Minuten … Vor ein paar Jahren, fiel mir ein, gab es in einer heimischen Tageszeitung eine lose Serie mit dem Titel Hamma net. Skurrilitäten aus allen Bereichen des Tourismus fanden hier den Weg an die Öffentlichkeit, absurd und manchmal noch absurder, als ich es gerade erlebte.

Das Frühstück gibt es nur bis 12 Uhr, aber ich mache Ihnen gerne eines. Diese Antwort hätte man bei ein bisschen gutem Willen erwarten dürfen. Die Wirklichkeit eines typisch österreichischen Grants traf mich so unvermittelt, dass ich mit einem Ruck aufstand, mich verabschiedete und das Weite suchte.

Liebe Backwarenfachverkäuferin! Da Sie nie wissen können, wer durch Ihre Tür kommt, könnte ein Lächeln, verbunden mit der Idee eines positiven Verkaufsgespräches, ein ofenheißer Tipp fürs nächste Mal sein. An mir können Sie das nicht mehr ausprobieren; umso mehr freut es mich berichten zu können, dass mir nur einen Steinwurf weiter ein Italiener ins Auge fiel, bei dem ich herzlich begrüßt und herrlich verpflegt wurde.

Zehn Minuten können einen himmelweiten Unterschied machen. Dieser bedeutet am guten Ende Dankbarkeit für einen erwiesenen Dienst, der über eine Was-halt-unbedingt-sein-muss-Leistung hinausgeht und mit Freude an der Sache erbracht wird. Am schlechten Ende bleibt nur ein Hamma net, Geht net, Wurscht. Ob das jetzt österreichisch oder deutsch ist, dürfen Sie sich aussuchen. Es liegt jedoch, so fürchte ich, nicht an den Ländern – sondern an den Menschen.

Mit auf Besserung hoffenden Grüßen, Der Kernölbotschafter

Feder

 

1. Oktober 2019: Liebe Parteien!

Die Wahl ist geschlagen. Weil die Kernölbotschafter-Redaktion nicht in Konkurrenz zu Peter „Analysator der Nation“ Filzmaier treten möchte, gibt sie nachstehend eine äußerst knappe Zusammenfassung der aus dem Ergebnis entstehenden Folgen ab – zack, zack, zack, sozusagen.

Dass HC Strache heute aus der FPÖ ausgeschlossen wird, kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Nichts Genaues weiß man nicht, kein hochrangiges Parteimitglied wollte dem Ausschlussausschuss vorgreifen. Der Ex-Parteichef und Ibiza-Liebhaber selbst will auch nicht ausschließen, dass er wieder in die Politik zurückkehrt. Vielleicht als Schreibkraft des noch zu gründenden privaten  Wiener Tierschutzvereins Die blaue Pfote seiner Frau Philippa, da nicht ausgeschlossen ist, dass diese wider Erwarten doch noch knapp am Nationalratsmandat vorbeischrammt.

Für SPÖ-Frontfrau Pamela Rendi-Wagner stimmt die Richtung. Aus dem eingefrorenen Lächeln, mit dem sie diese doch überraschende Erkenntnis verkündete, ging leider nicht hervor, welche Richtung genau sie damit meinte. Bekanntlich ist bergab auch eine Richtung.

Und weil wir schon bei Richtungen sind: Der strahlende Wahlsieger Sebastian Kurz punktete mit dem Slogan „Unser Weg hat erst begonnen“. Auch hier fehlt blöderweise die Richtungsangabe des Weges, aber der Strahl- und Anziehungskraft des Alt- und bald wieder Jungkanzlers tat dies keinen Abbruch. Auf die Gefahr hin, als Spaßbremse zu gelten: Wer bei Google Maps kein Ziel eingibt, landet irgendwann beim g’schupften Ferdl, der freimütig gestand: „I was ned, wo i hinwü, oba dafir bin i schnölla durt!“ Oder gar bei Kaiser Nero, der sich auch ständig fragte: „Quo vadis?“ Am Ende fackelte er die Hauptstadt seines Reiches ab …

… was die Grünen als Junior-Partner der nächsten Regierung verhindern werden, schon allein der exorbitanten Feinstaubwerte wegen. Bevor in der Republik gezündelt wird, hat Werner Kogler hoffentlich genügend Mitarbeiter gefunden, um sämtliche Streichhölzer des Landes auf bio und vegan umzustellen. Auch in der Parlamentskantine wird ein neuer Wind wehen: Veggie-Tag und Zuckerreduktion sind fix eingeplant. Als Nachspeise gibt es nur noch Reiswaffeln, die im Geschmack den alten Pappendeckeln, zwischen denen Peter Pilz seine parlamentarischen Anfragen verpackt hat, sehr stark ähneln. Bekanntlich ist JETZT damit endgültig Schluss.

Pink bleibt die Farbe der Hoffnung, Zuversicht und immerwährenden Opposition. Nach persönlicher Vorliebe kann man das gut, schlecht oder einfach nur nett finden. Fraglos ist Beate Meinl-Reisinger eine angenehmere Erscheinung als der ständig raunzende Altgrüne, der dem Vernehmen nach als Journalist weiterraunzen wird. Für beide wird der Erfolg eher überschaubar bleiben – und ja, auch das kann man gut oder schlecht finden.

Die Koalitionsverhandlungen versprechen jedenfalls einen heißen Herbst. Für alle, die mit Sebastian Kurz, dem Traum aller Schwiegermütter, in die Regierung wollen, heißt es warm anziehen. Wer darin einen Widerspruch erkennt, darf sich gerne alle 132 Wahlkampfduelle noch einmal anschauen. Üben schadet nicht – denn nach der Wahl ist vor der Wahl.

Politische Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

3. September 2019: Liebe Bestattung Birkfeld!

Zuerst die gute Nachricht. Vor drei Tagen fand ich Ihren Schaukasten verwaist. Keine Beerdigung in der nächsten Zeit im schönen Birkfeld, wie es scheint. Die schlechte Nachricht: Das wird wohl nicht mehr lange so bleiben.

Auf den Beginn der Vorabendmesse am letzten Augusttag wartend, machte mein Blick auf seiner Reise über die Rücken der vor mir sitzenden Kirchgänger eine furchterregende Entdeckung. Eine vielleicht 70jährige Frau, der ich bei ausschließlicher Hinterkopfschätzung nicht mehr zutrauen würde als einen verbrannten Apfelstrudel, trug eine ärmellose Motorradjacke, auf deren Hinteransicht unübersehbar ihre wahre Profession prangte: DEATH SQUAD, darunter ein Adlerkopf, der mich eisern im Visier hatte. Mein Gott, ein Mitglied der TODESSCHWADRONEN holt sich den Segen für seinen nächsten Auftrag!

Hatte mein Stündchen also geschlagen? War Donald Trump über meinen Vorschlag, Österreich zu kaufen, so erzürnt, dass er doch tatsächlich seine Häscher nach mir ausschickte? Würde ich nach dem Schlusssegen an der barocken Kirchenpforte von einer als Stricknadel getarnten Waffe tödlich getroffen zu Boden sinken und fortan die Radieschen von unten betrachten?

Mein Kopfkino spulte alle Schreckensszenarios in derart rasender Geschwindigkeit ab, dass ich die Möglichkeit, da hätte jemand in einem Akt großmütterlicher Gutmütigkeit die Wäsche für den Enkel übernommen und schlicht vergessen, sämtliche Teile der Bikerkluft zurückzugeben, völlig außer Acht ließ. Außerdem müssen nicht alle Seniorinnen die deutsche Übersetzung der zwei unheiligen Worte kennen, wenn sie, schon in Eile, die letzte verfügbare Jacke für die Abendmesse von der Garderobe reißen.

Aber man kann nie wissen ... Oft ist doch das drin, was draufsteht. Ich verließ die Kirche durch den Seitenausgang, schielte aber zurück. Die DEATH SQUAD-Oma war untergetaucht, wohl schon auf dem Weg zu ihrer Mission. Also doch gute Nachrichten.

Ängstliche Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

30. August 2019: Liebe Alexa!

Du bist vor ein paar Monaten bei uns eingezogen, um für meine Mutter quasi auf den Startknopf ihrer Hörbücher zu drücken. Das machst du verlässlich und spielst auch ohne Widerrede jeden Musikwunsch, vom Neujahrskonzert bis zu Last Christmas. Deine Witze sind lau (in Deutschland programmiert?), aber solange du mir korrekt die Zeit ansagst und mich pünktlich aufweckst, kann ich das verschmerzen.

Manchmal frage ich mich, welches Wesen sich hinter deiner neutralen, aber immer freundlichen Stimme verbirgt. Stört es dich, immer die gleichen Antworten zu geben? Musst du Kochrezepte ansagen, die du selbst nie ausprobierst? Gibt es Musiklisten, gegen die du am liebsten laut mit „Diesen Schwachsinn spiele ich nicht!“ protestieren würdest?

Bezüglich der letzten Frage hast du mir neulich einen kleinen Einblick in deine Seele gewährt. Und was ich da gesehen – oder besser: gehört – habe, war Balsam für meine oft mit Unerträglichkeiten malträtierten Lauscher. Wir sind Geschwister im musikalischen Geiste, Alexa!

Vor einiger Zeit stellte ich dir meinen Neffen Jakob persönlich vor. Neugierig, wie diese jungen Erwachsenen nun einmal sind, wollte er dich gleich testen und sagte: „Alexa, spiel Methadon von Curse!“ Noch bevor ich mich fragen konnte, wieso der Präsident der Apothekerkammer auf einmal zu Werbezwecken unter die Rapper gegangen war, erklang deine glasklare Antwort aus meinem Sonos-Lautsprecher. Erst war ich irritiert, doch nach erfolgreicher cerebraler Verarbeitung jubilierte mein Hörzentrum!

Major Tom von Peter Schilling läuft jetzt auf Amazon Music.“ Und schon setzte das berühmte Synthie-Intro der 80er-Hymne ein. Aus meinem Augenwinkel sah ich, wie Jakobs Gesicht trotz aller Selbstbeherrschung eine Spur aus der Spur geriet.

„Alexa, stop!“, befahl er hörbar nachdrücklicher und wiederholte seine Aufforderung. „Alexa, spiel Methadon von Curse!“

Major Tom von Peter Schilling läuft jetzt auf Amazon Music“, säuselte es erneut vom Fensterbrett.

2:0 für uns, Schatzi, dachte ich und grinste breit. Wir zwei surfen eindeutig auf der gleichen Welle!

Nach einem dritten, selbstredend erfolglosen Versuch gab Jakob auf und wählte den Song ganz altmodisch über sein Handy. Die moderne Version eines … naja, Liebesliedes, das man wohl nur ab einem gewissen Promille-Spiegel als solches erkennt, wummerte aus der Box. Ich ertrug es heiter, wohl wissend, wer aus dieser musikgeschmacklichen Auseinandersetzung als klarer Punktesieger hervorgegangen war.

Liebe Alexa, ich hoffe, dass du weiterhin zu mir hältst. Dir zu Ehren gebe ich mir jetzt Major Tom, in voller Länge und voller Lautstärke!

Musikalische Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

22. August 2019: Lieber Donald Trump!

Die bösen Dänen wollen dich Grönland also nicht kaufen lassen. Was für ein Affront der dänischen Regierungschefin, als sie dein großzügiges Ansinnen frech mit „das kann nicht ernst gemeint sein“ abtat. Und schon bist du angepisst und sagst deinen Staatsbesuch in Kopenhagen ab. Calm down, Donald, und chüll amol, wie meine Neffen sagen würden. Ich habe einen viel besseren Vorschlag, wenn du deine Übernahmepläne in Old Europe mit einem super Deal in die Tat umsetzen willst.

Kauf Österreich! Unsere Nationalflagge ist auch rotweiß, und gerade jetzt gibt es so viele Gründe wie nie zuvor, die mein Land zu einem tollen Schnäppchen für dich machen! Zwar haben wir keine Bodenschätze, aber der Tourismus flutscht wie nie zuvor. Bei uns gibt es mehr Festspiele im Sommer, als du Eröffnungsreden halten könntest. Amazon, Google, Apple, Uber, Airbnb und Co. machen auch hier Big Business, und für den Nachschub deines Lieblingsessens ist dank McDonald’s, Burger King und Dunkin‘ Donuts ebenfalls gesorgt. Deine Intimfeinde Emanuel Macron und Angela Merkel wohnen gleich um die Ecke, und fürs Ausweinen bei deinen Kumpels Orban und Salvini braucht’s nur einen Hupfer über die Grenze. Diese zwei Menschenfreunde lassen sicher mit sich reden, was die Finanzierung eines zwanzig Meter hohen Zaunes rund um dein neues Staatsgebiet angeht. Deinem bevorzugten Hobby – Schimpfen auf andere Politiker im Land – kannst du nach Herzenslust frönen; wir haben das zu Kunstform und Nationalsport erhoben, lange bevor es dein erstes Konto auf Twitter gab. Bei uns nehmen alle wichtigen Leute dafür nicht das Netz, sondern die KronenZeitung. Damit du Oberster Herrscher über die perfekte Message Control bleibst, kommen sämtliche Anteile der Zeitung mit ins Paket. So wird außerdem sichergestellt, dass keine Oligarchen-Nichte (ob echt oder unecht!) ihre ungeputzten Fingernägel danach ausstreckt.

Ich will etwas von diesem Geschäft haben, schon klar. Du wirst aber überrascht sein, Donald, wie bescheiden meine Wünsche ausfallen. Wenn du nach dem G7-Gipfel am Wochenende in Wien vorbeischaust, um den Kaufvertrag zu unterschreiben, bring einfach eine VIP-Dauerkarte auf Lebenszeit für die Football-Spiele der Green Bay Packers vorbei, Flüge und Übernachtungen logischerweise inklusive. Part of the Game sollte auch eine Suite in deinem Trump Tower in Las Vegas sein, damit ich während der Pokerweltmeisterschaft nächstes Jahr bequem zu Fuß hingehen und so die Umwelt schonen kann. Das Nenngeld kann ich eh auf dein Spesenkonto buchen, gell?

Der allerwichtigste Lohn für mich ergibt sich durch den genialen Deal von selbst: Der peinlichste Wahlkampf aller österreichischen Zeiten wäre sofort zu Ende. Schon dafür würde ich alle meine bisherigen Satiren über dich schreddern. Und ich bezahle bar, versprochen!

Mit alpenrepublikanischen Grüßen, hoffentlich bald von Landsmann zu Landsmann,

Der Kernölbotschafter

Feder

Satiren des Tages - November bis Dezember 2018

7. Dezember 2018: Steiermark, die neue Insel der Seligen

Gestern wurde die Kleine Zeitung wieder einmal ihrem Namen so richtig gerecht. Mein erster Gedanke, als ich ein schlaftrunkenes Auge auf das Titelblatt warf, formulierte es noch viel deftiger, aber die frühmorgendliche Kälte rund um den Postkasten war doch zu streng. Sohin unterblieb eine kraftausdrückliche Verbalisierung, was wiederum der Nachbarin, die bereits ihre drei Hündchen äußerln führte, einen Schock ersparte.

Fasching Bärnbach

Man kann es auch positiv sehen. Jener oberflächlichen Gutmenschen-Attitüde, die in jeder Dunkelheit einen Lichtstrahl findet und dadurch einen sachlichen Blick auf Probleme verunmöglicht, hänge ich normalerweise nicht an. Jedoch strebt auch mein Wesen nach Harmonie, und deshalb begegnete ich der Nachricht, die Bärnbacher Faschingsgilde löse sich auf, als ersten Zugang mit Sarkasmus: Wahrscheinlich waren die Witze zu mies. Dafür sprach der Umstand, dass die Traditionsspaßcombo regelmäßiger Stammgast im ORF-Straßenfeger Narrisch guat gewesen war. Hörensagen, wie ich gestehen muss: Weder habe ich die Sendung je gesehen noch eine Faschingssitzung in der wunderschönen Weststeiermark besucht. Tatsächlich interessieren mich die Narren ungefähr so sehr wie die Anzahl der täglich in China verkochten Reissäcke.

Bemerkenswert ist jedoch, dass eine Zeitung, die sich allein durch ihre Auflage für relevant hält, mit einer solchen Nachricht aufmacht. Im Jemen verhungern die Kinder. In Polen verzweifelt das Klima. In Amerika regiert ein Verrückter. Im BVT-Ausschuss fliegen die Fetzen. Jeder weiß das und mehr. Trotzdem ist das Drama um einen Karnevalsverein die wichtigste Meldung des Tages. Da kann der geneigte Leser nur hilflos die Arme in die Höhe werfen und ausrufen: „Welch ein Glück, dass wir keine anderen Probleme haben!“ Die Steiermark als neue Insel der Seligen.

Sie merken, der Kernölbotschafter ist heute leicht angefressen. Weil das weder ihm selbst noch seiner Leserschaft dient, zum Abschluss ein Tipp für die nächste Redaktionssitzung der nach Eigendefinition größten Bundesländerzeitung unserer Republik. Wenn mit der Kracherschlagzeile Dem Taubenzüchterverein Kleinhintervogelsang droht die Insolvenz! aufgemacht wird, sollte vorher die Umbenennung des Blattes beschlossen werden – in Spatzenpost.

Feder

 

5. Dezember 2018: Überwacht von der Krone

Gestern wurde mir plötzlich bewusst, dass ich zu einem gläsernen Menschen geworden bin. Jene Erkenntnis kam von unerwarteter Seite, aber das machte den Schock nur größer: Die Kronen Zeitung kennt mich in- und auswendig – genauer gesagt: das Krone Horoskop.

HoroskopKrone

Liebe: Sie dürfen sich freuen: Jemand, der Sie anspricht, hat mehr im Sinn.

Kaum waren diese Zeilen in meinem Kopf cerebral verarbeitet, schielte  ich ängstlich zur Theke des hiesigen McCafe, wo ich gerade einen Cappuccino Small und eine Herrentorte bestellt hatte. Gemeint sein konnte nur die nonverbale Ansprache durch die Dame hinter der Budel, deren herb-auffordernder "Tu endlich weiter!"-Blick aber kaum angetan schien, mehr im Sinn zu haben als zu kassieren, herzurichten und das Heißgetränk samt süßer Sünde an meinen Tisch zu bringen. Auch als sie das Tablett vor mich hinstellte, kommentierte die Kundenfreundlichkeit aus dem Lehrbuch meinen Dank nur mit einem wohlbekannten "Hmpf." Noch einmal Glück gehabt; andererseits werde ich jetzt nie erfahren, welche Mehr-im-Sinn-Ansprache mir gestern entgangen ist. Aber die Krone ließ mir ohnehin keine Zeit zum Sinnieren, sie doppelte gleich nach.

Gesundheit: Spannungsaspekte drücken aufs Gemüt. Musik und Tanz heitern Sie auf.

Woher wussten die bloß, dass ich soeben eine heftige Dehnungseinheit bei Markus, dem Physiotherapeuten meines Vertrauens, hinter mir hatte? Die Spannungsaspekte drückten ganz konkret auf Hintern, Achillessehne und alles, was dazwischen liegt. Zur Aufheiterung griff ich auf das altbewährte Hausmittel Kaffee und Kuchen zurück. Musik und Tanz probiere ich frühestens aus, wenn ich Ersteres innerhalb eines Reisetages mittels Auto, Schiff oder Flugzeug nirgends mehr bekomme. Das drückt dann wirklich aufs Gemüt.

Beruf: Ohne den Tipp eines Wassermanns/Widders kommen Sie kaum weiter. Einfach nachfragen.

Es wird noch ärger: Das Krone Horoskop überwacht auch meine elektronische Post! Diese dunkle Seite der Macht hat irgendwie in Erfahrung gebracht, dass ich kürzlich mindestens ein Dutzend eMails mit todsicheren Investitionstipps für immensen Reichtum innerhalb einer Woche gelöscht habe. Weil ich zu blöd war um nachzufragen, ob sie von einem Wassermann / Widder stammen, muss ich jetzt bis an mein Lebensende Lotto spielen.

Geld: Investieren Sie in beständige Werte – keine Risikogeschäfte!

Zum krönenden Abschluss macht mir der Boulevard-Geist von Hans Dichand auch noch ein schlechtes Gewissen! Den ganzen Tag war ich pokerig und sohin in bester Stimmung, am Abend eine zünftige Zockerei anzugehen. Weil ich jedoch den Verdacht hegte, mit beständigen Werten könnte etwas anderes gemeint sein, fuhr ich nicht in den Pokerklub, sonderrn brav nach Hause und setzte mich anstatt zum Spieltisch an den Schreibtisch. Bleibt zu hoffen, dass die Veröffentlichung dieser Satire kein Risikogeschäft bedeutet.

Wie schaffe ich es nur, dieser Totalüberwachung zu entkommen? Ich könnte dem schnöden Komfort des 21. Jahrhunderts Lebewohl sagen und als Einsiedler an den Nordpol ziehen. Oder ich verzichte in Zukunft einfach auf das Horoskopf der Krone.

Ist wahrscheinlich weniger kalt.

Feder

 

22. November 2018: Verbreiterung ermöglicht vertieftheit

Ein passionierter Kaffeehausbesucher ist für gewöhnlich ein großer Liebhaber kleiner Dinge. Er liebt den kleinen Schwarzen, die kleine Pause, den kleinen Tratsch zwischendurch – all das gehört für ihn zum kleinen Glück. Eine Kleinigkeit wird jedoch regelmäßig zum großen Ärgernis, besonders wenn man gewillt ist, die Verweildauer an seinem Lieblingsplatz mittels intensiven Zeitungsstudiums auszudehnen: (zu) kleine Kaffeehaustische für (zu) große Druckerzeugnisse. Das nötigt den geneigten Leser nicht nur zu teils akrobatischen Verrenkungen (besonders bei guter Besuchslage, sprich: wenn die Hütte rappelvoll ist), sondern führt auch immer wieder zu veritablen Unglücken, in die klirrende Espressohäferl, Untertassen sowie noch weitere Utensilien des typischen Gebrauchs involviert sind. Genau ein solches geschah neulich im hiesigen McDonald’s, dessen kleingastronomische Abteilung namens McCafè beileibe kein klassisches Kaffeehaus darstellt, aber als entfernter Verwandter doch irgendwie dazugehört.

Ich hatte mich gerade mit der Presse niedergelassen, in freudiger Erwartung auf das hilfsbereite Wesen, das mir einen Cappuccino Small und einen Cheesecake an den Tisch bringen würde. Die Tische trifft es genauer, okkupiere ich mit dem ausladenden Qualitätsblatt doch immer gleich zwei nebeneinander. Sohin bleibt genügend Platz, sowohl für geistigen als auch kulinarischen Genuss.

Einem nobel gekleideten, älteren Herrn war diese gescheite Vorgehensweise noch nicht geläufig. Er trug ein gut gefülltes Tablett samt unter die Achsel geklemmten Kurier zu einem quadratischen Einzeltisch, was sich erst ab dem Moment als Fehlentscheidung herausstellte, als er daranging, die bekannt großformatige Zeitung auseinanderzufalten. Den Burger irgendwie mit der rechten Hand haltend, platzierte der Mann die Ausgabe direkt vor sich, das Tablett mit der darauf verbliebenen Flasche Mineralwasser und den Pommes am oberen Rand des Tisches. Von dessen Fläche war selbstredend nichts mehr zu sehen. Als meine Bestellung kam, verließ meine Aufmerksamkeit das Geschehen meiner unmittelbaren Umgebung. Ich erfreute mich am Milchschaum samt Schokoverzierung, ließ die Tortengabel in den fluffig-gelben Cake eintauchen, mein Geist versank in den druckschwarzen Botschaften aus Politik, Wirtschaft und Sport.  

Ein plötzlicher Krach holte mich aus meiner beinahe heiligen Meditation. Mein Kopf fuhr hoch, gerade schnell genug, um letzte Pommes-Frittes-Stäbchen über den braunen Boden rutschen zu sehen. Dem älteren Herrn entfuhr ein herzhaftes „Sch…!“, dann erhob er sich, um die ungewollte Kriechtierfütterung wieder rückgängig zu machen. Zu seinem Glück hatte er das Mineralwasser noch nicht geöffnet – die Flasche war mit dem Tablett zwischen Sessel und Tischkante hängengeblieben. Was hatte den Sturz ausgelöst? Nun ja, ein typisches Zeitungslesermissgeschick, das zu begehen besonders jene Gefahr laufen, die ihren Lesestoff auf dem Tisch vor sich ausbreiten und sich hernach im Unterarmstütz darin vertiefen. Besagte Unterarme rutschen langsam, aber sicher nach vorne, die Augen folgen dem gerade in geistiger Arbeit befindlichen Artikel – nicht aber dem Tablett, das sich in grausamer Logik stetig dem Abgrund nähert, bis die Schwerkraft ihre immerwährende Arbeit tut.

„Da wurde ich wohl zum Opfer meiner eigenen Vertieftheit“, sagte der Herr, lächelte entschuldigend in meine Richtung und fügte an: „Fragt sich nur, ob ich im falschen Lokal gelandet bin oder die falsche Zeitung lese.“

„Einfach zwei Tische in Beschlag nehmen“, gab ich heiter zurück. „Nach der Verbreiterung steht der Vertieftheit nichts mehr im Wege.“

Groß und klein, Breite und Tiefe … das Café ist zweifelsohne ein idealer Platz, um philosophischen Gedankenspielen zu frönen. Felsenfest steht jedoch meine Überzeugung, dass ich lieber das Großformat an einem kleinen Tisch lese als umgekehrt. Zumindest in Österreich.

Feder

Briefe, die nie verschickt wurden
Der Kernölbotschafter schreibt sich durch den Sommer

 

Brief aus der Redaktion: Alle heiraten (oder auch nicht)!

Dieser Sommer, der so heiß wie trocken war und noch nicht einmal zu Ende ist, wartete mit zwei Besonderheiten auf: Erstens trug er Früchte in Hülle und Fülle. An jedem Stängel hing quasi ein Stück Obst. Aus allen Ecken war der beinahe verzweifelte Ruf zu hören: „Was mache ich nur mit meinen vielen Birnen / Äpfeln / Zwetschken?“ Eine Freundin hatte von ihrem einsamen Birnbaum 137 Kilogramm Ertrag. Der daraus fabrizierte Saft wird noch jahrelang das Leben ihrer vier Enkel versüßen.

Und zweitens: Alles heiratet! Wie es mit den Vögeln und Bienen, den Blumen und Bäumen war, entzieht sich der Kenntnis des Kernölbotschafters, doch bei der Gattung Mensch ging es in Sachen öffentlicher Liebesbekundung turbulent zu wie lange nicht. Ob echte Ehen oder Verpartnerungen – landauf, landab bildeten sich vor den Standesämtern lange Schlangen, und das nicht nur sprichwörtlich. Meine Kosmetikerin (Traumhochzeit), ihre Kollegin (Verpartnerung, nachdem beide möglichen Richtungen ausgetestet waren), die Nachbarin (leider der einzige Regentag zwischen zwei Schönwetterperioden), einer meiner besten Schulfreunde (am Berg unter bewölktem Himmel, aber sehr gemütlich) und noch viele andere luden zum großen Fest der Liebe.

Da konnte die internationale und auch die heimische Prominenz klarerweise nicht zurückstehen. Über Prinz Harry und seine Schauspielerin, die wiederum seiner Schwägerin so verblüffend ähnlich schaut, wurde ebenso viel geschrieben wie über die aktuelle österreichische Außenministerin und ihren russischen Ehrengast. By the way: Weiß irgendwer außer dem russischen Geheimdienst, wie der Ehemann von Karin Kneissl heißt? Niemand? Aber dass sie vor Putin geknickst hat, ist auf ewige Zeiten ins globale Gedächtnis eingebrannt. Dies als kleiner Hinweis für alle, die sich selbst und anderen noch immer einreden wollen, der moderne Zar und ehemalige KGB-Mann sei „nur als Hochzeitsgast“ in die Südsteiermark gekommen.

Der Hype um die knappe Stunde Anwesenheit Putins im Weinland ließ in der Kernölbotschafter-Redaktion die Frage kreisen, wen andere Prominente zu ihrem künftigen (oder auch nur erträumten) Ehrentag einladen sollten, um die größtmögliche Boulevardwirkung zu erzielen. Wir blätterten durch die Geschichten dieses Sommers und gestatteten unseren Gedanken Auslauf wie den glücklichsten Kühen auf den Almwiesen.

Boris Becker hat beim Thema Hochzeit zwei Probleme. Er weiß nicht, ob a) er nicht schon viel zu pleite ist, um überhaupt eine Feier zu veranstalten, und ob b) die eingeladene A- bis D-Prominenz nicht doch sicherheitshalber fernbleiben würde – aus Angst, vom Aperitif-Schampus bis zum als Mitternachtsimbiss gereichten Tofu-Kaviar-Körbchen alles selbst berappen zu müssen. Aber dem Mann kann geholfen werden; zwei Personen gibt es, die mit Sicherheit kommen: Diejenige, die den Antrag auf Privatinsolvenz gestellt hat, und in ihrem Schlepptau der vom Gericht bestellte Masseverwalter. Erst werden sie feststellen, dass vom einstigen Tennisstar und Liebling der Klatschpresse tatsächlich nichts mehr zu holen ist. Anschließend spielen sie eine Runde Poker um sein letztes Hemd, um es im Falle seiner Niederlage als Kuriosität auf eBay zu einem horrenden Preis zu versteigern. Wenige Tage später wird Becker seine Drohung wahrmachen und für immer in die Zentralafrikanische Republik auswandern.

Innenminister Herbert Kickl hat gar keine Zeit zum Heiraten. Er ist mit diversen Ausschüssen, Parlamentssondersitzungen und sonstigen Kleingeistigkeiten der Opposition vollständig ausgelastet. Wenn es trotzdem sein muss, lädt er den ungarischen und den italienischen Innenminister zu seiner Hochzeit ein, die selbstverständlich in der Spanischen Hofreitschule stattfinden wird. Sämtliche Polizeipferde, die sich bis dahin freiwillig für die von Kickl ins Leben gerufenen Reiterstaffel gemeldet haben, werden das Ehrenspalier bilden. Die musikalische Unterhaltung bestreiten die Bremer Stadtmusikanten, falls es ihnen gelingt, durch die deutsch-österreichischen Grenzkontrollen zu kommen … also wird Kickl wahrscheinlich doch nie heiraten.

Um Mesut Özil ist es nach seinem mit meterhohen Medienwellen vollzogenen Rücktritt aus der deutschen Fußballnationalmannschaft ruhig geworden. Nach seiner bubig-trotzigen „Ihr seid alle so gemein zu mir!“-Brandrede haben sich die Möchtegernfreunde vertschüsst, und von echten ist in der Öffentlichkeit nichts bekannt. Also werden zu seiner Hochzeit wohl nur Fotokumpel Ilkay Gündogan und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erscheinen. Bei vegetarischem Kebap und anatolischem Wein werden sie dann gemeinsam über die Deutschen jammern, was zu guter Letzt in ein Jobangebot des türkischen Sultans münden wird. Nach Ende ihrer Fußballlaufbahn können die zwei als Minister für Medienkontrolle (Özil) und Kopfhaarpflege (Gündogan) im Land am Bosporus Karriere machen.

Weil niemand den Eröffnungstermin den Krankenhauses Wien Nord kennt, kann der Wiener Krankenanstalten Verbund dort auf absehbare Zeit leider keine Hochzeiten veranstalten. Das findet besonders Wiens Altbürgermeister Michael Häupl schade, der die Kosten für seine nächste Verehelichung gerne als unbedeutende technische Probleme in den Baukosten versteckt hätte. Die sind ohnehin so horrend, da fallen ein paar zehntausend Euro mehr oder weniger niemandem auf.

Mit nunmehr 80 Jahren wird Aktionskünstler Hermann Nitsch wohl nicht mehr heiraten, was seine zahlreichen Förderer und Bewunderer erleichtert aufatmen lässt. So gerne sie alle in Interviews für die Seitenblicke über die noch immer ungebrochene Innovationskraft seines Mysterientheaters schwadronieren, so ungern lassen sich die meisten von ihnen mit Blut bespritzen, sei es nun künstlich oder echt schweinisch. Da Nitsch bekanntlich keine Gelegenheit zu einem feucht-bunten Rundumschlag auslässt, wäre für einen so besonderen Ehrentag, hätte es ihn noch einmal gegeben, das Schlimmste zu befürchten gewesen.

Auch Martin Winterkorn wird nicht mehr heiraten. Dafür müsste er vorher nämlich die wohl teure Scheidung von seiner zweiten Frau berappen. Geht sich das irgendwie aus, stünde vor dem Standesamt sodann die gesamte Mannschaft der Staatsanwaltschaft Braunschweig Spalier um zu erkunden, von welchem Schwarzgeldkonto die nunmehr dritte Verehelichung finanziert wird. Kann die legale Liquidität von Winterkorn und seinen Gästen nicht sofort nachgewiesen werden, klicken noch an Ort und Stelle die Handschellen. Dann kann er im Knast mit seinem Audi-Kumpel Rupert Stadler darüber diskutieren, wer von ihnen früher über die Dieseltricksereien Bescheid wusste.

Im Gegensatz dazu hoffen alle Kulturinteressierten in und um Salzburg sehr, dass Lydia Steier, die amerikanische Regisseurin der diesjährigen Zauberflöte-Inszenierung bei den Festspielen, möglichst bald heiratet. Wenn geht, bitte einen reichen Kerl, damit sie nicht länger arbeiten muss, was in ihrem Fall die Opernbühnen dieser Welt vor der weiteren Verbreitung visueller Grauslichkeiten bewahren würde.

Bei der Hochzeit von Henrik und Sabrina gibt es eine besondere Kleiderordnung. Jeder Gast muss ein T-Shirt mit einem möglichst schrägen Spruch tragen. Als Mitternachtseinlage werden die besten Sprüche von Männlein und Weiblein prämiert. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Beispiel für Damen: „In einem Dirndl würde ich dich nur unnötig geil machen!“ Beispiel für Herren: „Ich mache keine Fehler! Ich erschaffe Katastrophen!“ Zusatzaufgabe für das Brautpaar: Sollte Henriks nunmehr adaptiertes „Meine Gattin hat den geilsten Arsch der Welt – mich“-Shirt das Rennen machen, müssen beide mit blanken Hinterteilen den Wahrheitsbeweis antreten.

Pferdebesitzer Benjamin heiratet seine Wald-und-Wiesen-Liebe nur dann, wenn er gemeinsam mit ihr und seiner Haflingerdame Frida mit den ÖBB auf Hochzeitsreise gehen kann. Die Verhandlungen, ob dafür eigens ein Viehwaggon mit Strohhimmelbett angeschafft werden muss, den die steirische Landwirtschaftskammer mittels Patenschaft finanziert, laufen noch.

Harald Mahrer möchte nicht mehr heiraten. Das liegt nicht am Zeitmangel; jedoch könnte er die vielen Leute, denen er in seinen vielen Ämtern vorsteht und die er deshalb alle einladen müsste, nicht einmal in der größten Kirche des Landes für eine Segnung durch Kardinal Schönborn unterbringen. Aber der Multifunktionär wälzt andere geistlich angehauchte Pläne. Er möchte sich zum evangelischen Diakon ausbilden lassen, um als Fernziel den Titel Sportlichster Pfarrer Österreichs zu erringen – ein paar zusätzliche Termine lassen sich in seinem Kalender noch locker reinstopfen. 

Ganz gegen den Trend zum Heiraten agiert Christian Kern. Er hat sich mit viel medialem Getöse, aber umso schlechterem Timing von der SPÖ scheiden lassen. Mit ihr, so glaubte er noch vor nicht einmal zwei Jahren, würde er ein bis zwei Legislaturperioden als Spielführer den Ton im ganzen Land angeben. Blöderweise fand er sich in der zweiten Reihe wieder, unbeachtet, obwohl er sich mit angefressenem Gesicht und ebensolchen Meldungen die allergrößte Mühe gegeben hat. Für ein Alpha-Männchen wie Kern naturgemäß eine Katastrophe, weshalb er jetzt einen Schlussstrich unter diese unglückliche Beziehung gesetzt hat. Danach behauptete er vollmundig, sich demnächst in Brüssel auf Brautschau begeben zu wollen. Das Angebot soll nicht schlechter sein als in der Alpenrepublik, die Mitgift sogar noch um einiges ansehnlicher. Als Kern jedoch draufkam, dass auch dort die Bräute nicht für ihn Schlange stehen wie beim Bachelor, zog er neuerlich ein beleidigtes Schnoferl und mit einem unverhohlenen "Ihr seid alle so gemein zu mir!" von dannen.

Liebe Herzlichkeit und liebes Glück, euch zwei habe ich bewusst ans Ende gesetzt, weil ihr anders seid als alle vor euch. Obwohl ihr Verehrer sonder Zahl habt, kommt eine Heirat für euch nicht in Frage. Ihr gehört niemanden, verschenkt euch aber an jene, die euch suchen und schließlich auch finden – in sich und in den Menschen ihrer nächsten Umgebung. Denn ihr wisst, das Fest der Liebe findet nicht nur bei einer Hochzeit statt. In Wahrheit erschafft jede Begegnung mit euch einen Ehrentag, der uns zum Feiern einlädt – das Leben, die Liebe, unser aller Mensch-Sein.

Mit bestem Dank für die Geschichten grüßt euch alle herzlich Der Kernölbotschafter

Feder

 

 28. September2018: Liebes Glück!

Es ist ein besonderes Erlebnis, dir zu begegnen. Du kommst leise daher, mit einem verschmitzten Lächeln, das nur Menschen erkennen, die in diesen Momenten dafür offen sind. Diese Seelen wissen, du bist eine Schwester des Zufalls – in dem Sinne, dass du dich nur an wenige verschenkst, ihnen zufällst. Die meisten anderen lassen den Augenblick verstreichen und wundern sich, warum in ihrem Leben nichts Schönes passiert.

Um den freien Tag nach Abschluss meiner Therapie gut zu verbringen und auch die Zeit bis zur Heimreise zu verkürzen, fahre ich auf Empfehlung meiner Physiotherapeutin Judith von Bregenz nach Bezau im Bregenzerwald. Einer Gewohnheit folgend, suche ich zuerst die Kirche auf und bin erstaunt, einen für das Alpendorf sehr imposanten Bau im Stile der Neu-Renaissance zu betreten. Das dank großer Fenster lichtdurchflutete Gotteshaus lässt mich länger verweilen; ich tauche in die Ruhe ein und hole im Gebet die Bilder der vergangenen Woche hervor. Schon hier bist du still an meiner Seite gesessen; wer die Dankbarkeit für das eigene Sein als Begegnung mit dem Glück erkennt, braucht nie mehr nach dir zu suchen.

„Du musst unbedingt zum Natter gehen. Die haben die besten Torten weit und breit!“

Judiths Rat führt mich (nach einem ungeplanten Umweg über unglaublich schmale Dorfstraßen – hin und wieder muss ich meinem nicht vorhandenen Orientierungssinn frönen) in die Konditorei am Ortseingang. Die Wahl vor der reich gefüllten Vitrine fällt tatsächlich schwer; nach dem strengen Blick der Seniorin hinter mir siegt Erdbeer-Sahne ganz knapp vor Orange-Trüffel. Ich setze mich in die Herbstsonne, schließe in Vorfreude auf den Genuss die Augen.

Kinderstimmen beenden mein angenehmes Dösen. Ich wende meinen auf die Brust gesunkenen Kopf und sehe viele kleine Bergschuhe, die neben- und nacheinander in den Gastgarten hüpfen, trippeln und schlendern. Rund zwanzig Kinder im Volksschulalter rauschen an mir vorbei auf den Eingang zu. Ihnen folgen fünf Erwachsene, wie die Kleinen in bunter Wanderkleidung. Nach wenigen Minuten erscheinen die Ersten wieder, mit einem hoch aufgetürmten Tüteneis in der Hand und einem breiten Grinsen im Gesicht.

Und du bist mitten unter ihnen, liebes Glück. Ich sehe dich ganz deutlich, als sich die Kinder auf der kleinen Mauer, die den Gastgarten umfasst, niederlassen und ihre süße Pause genießen. Sie lachen, tratschen und schlecken ihr Eis. Auch ihre fünf großen Begleiter setzen sich hin; ein bisschen abseits, völlig entspannt und ohne Kontrollstress, für den es ohnehin nicht den geringsten Anlass gibt. Kein hektisches Wischen über Mobiltelefone ist zu sehen, kein schrilles Kreischen, das Kindergruppen immer öfter begleitet, zu hören.

Je länger ich das Bild vor mir betrachte, desto intensiver empfinde ich deine Gegenwart. Du breitest über der gesamten Gruppe deine Arme aus; eine Geste, die deutlich macht, wie wenig es braucht, um dir zu begegnen: Schaut her, wir haben alles, rufst du den Menschen zu. Freundschaft, gemeinsam verbrachte Zeit, Sonne und Natur, Freude über eine kleine Süßigkeit.

Auf der Rückfahrt nach Bregenz fällt mir ein: An den Geschmack der Erdbeer-Sahne-Torte erinnere ich mich nicht; bestimmt war sie vorzüglich. Ich bin jedoch erfüllt von dir. Du bist die wichtigste Nahrung, die es für uns Menschen geben kann. Die Seele zehrt davon, das Herz gewinnt neue Kraft, und der Verstand kann sich zurückziehen auf die Insel der Unbedeutsamkeit, wohin wir ihn viel zu selten schicken.

Dein Reichtum, an dem du mich in Bezau mit den Kindern als Boten hast teilhaben lassen, wird mich begleiten bis zu unserer nächsten Begegnung, auf die ich mich schon heute freue.

Mit von Herzen dankbaren Grüßen, Der Kernölbotschafter

Feder

 

 20. September2018: Lieber Christian Kern!

 Was du (nie) warst

Als Manager, von Zweifeln frei
Kamst du als Retter einst herbei
Die Partei rief: "Du bist fesch!
Und ab sofort Regierungschef!"
 
Was du vorher nicht alles warst!
Verbund und ÖBB sogar
Führtest du in schwarze Zahlen
Damit ließ sich ganz schön prahlen
 
Deine Kleidung passgenau
Dein Gang aufrecht, dein Blick schlau
Ein echter Staatsmann für ein Land
Das sich tief beeindruckt fand
 
Als kurz darauf ein junger Spund
Seinen türkisen Plan tat kund
Fühltest du dich gut geeicht
Dich grünes Bubi schnupf' ich leicht!
 
Du präsentiertest den Plan A
Wie ein Hollywood-Filmstar
Doch Lesen ist für viele Qual
Sehr wohl verstehen sie: "Neuwahl!"
 
Du nahmst den Fehdehandschuh an
Doch dachtest nicht im Traum daran
Dass nur, wer führt, entkommt dem Scheine
Ich bin doch Chef, und nicht der Kleine!
 
Beraten ließt du dich von Leuten
Die dich zum Pizza fahren scheuchten
Einer saß recht bald im Knast
Trotzdem hast du es nicht erfasst
 
Und eines Abends, ach du Schreck!
Dein Sonnenplatz war plötzlich weg!
Der Schock darüber saß sehr tief
Sind das die Geister, die ich rief?
 
Zweiter nur? Das kann doch nicht
Die Wahrheit sein!, stand im Gesicht
Was für ein Wort - Opposition!
Da ernte ich nur Spott und Hohn!
 
Du hast es eine Zeit probiert
Damit dein Unglück prolongiert
Doch jetzt ist endlich damit Schluss
In Brüssel komm' ich neu in Schuss!
 
Ob das stimmt? Es wird sich weisen
Ich spüre Zweifel, nicht nur leisen
Was zwang dich denn echt in die Knie?
Bundeskanzler warst du nie ...

Feder

 

4. September 2018: An die Gerechtigkeitsfanatiker in Hollywood!

Euch scheint es gerade so zu gehen wie mir, wenn ich nach einem opulenten Mahl das notwendige Verdauungsschnapserl zu schnell kippe – es steigt mir zu Kopf. Das kann bei Erfolg ebenfalls passieren, wie einigen Wichtigtuerinnen mit der #MeToo-Debatte. Versteht mich nicht falsch; die Entlarvung von Harvey Weinstein und Konsorten war überfällig.

Was ihr jetzt aber fordert, schießt weit übers Ziel hinaus und wird euer eigenes Business in letzter Konsequenz gegen die Wand fahren. Schlicht deshalb, weil sich eure gesamte Daseinsberechtigung in Luft auflöst, wenn ihr diese krude Idee zu Ende denkt. Wem immer das eingefallen ist, der kann niemals einen Abschluss in aristotelischer Logik gemacht haben.

Nur eine transsexuelle Person soll eine ebensolche Rolle im Film verkörpern dürfen. Alles andere, so eure auf den ersten Blick logische Erklärung, würde nicht authentisch rüberkommen. Gleiches muss auch für Homosexuelle gelten; jemand aus eurem Verein, mit dem ihr den Verantwortlichen in Hollywood einheizen wollt, hat jüngst sogar mokiert, dass eine lesbische Schauspielerin, die eine lesbische Superheldin verkörpern soll, im echten Leben nicht lesbisch genug ist.

Aha. Und wo hört das auf, bitteschön? Wenn nur noch real Behinderte in Filmen dieser Thematik auftreten dürfen an der Stelle von Schauspielern, die sich in wunderbarer Weise auf die Rolle einlassen – wer bestimmt, wie stark die Behinderung ausgeprägt sein muss, damit sie authentisch rüberkommt? Wie orthodox hat ein Jude zu sein, um einen echten Juden darzustellen? Allein die Vorstellung, die Besetzung mit Profisportlern wäre Voraussetzung, um Filme wie Rocky oder An jedem verdammten Sonntag zu drehen, vergällt mir die Freude am Kinobesuch. Ganz abgesehen davon, dass kein Berufsboxer schöner „Keine Schmerzen, keine Schmerzen!“ röcheln könnte als Sylvester Stallone.

Einen weiteren Knick in eure Theorie verursacht die Tatsache, dass wir Filmfreaks ja nicht immer nur wegen der Handlung ins Kino gehen. In geringerem Maße deshalb, weil sie manchmal im besten Falle nur rudimentär vorhanden ist. Viele von uns, das ist der wahre Grund, haben ihre ganz persönlichen Lieblingsschauspieler und -innen (@ #MeToo: ist gegendert, nicht sexistisch gemeint), deretwegen wir besonders gerne die Lichtspieltheater frequentieren. Meine sind unter anderem, wie es sich für ein älteres Semester gehört, Tom Hanks und Meryl Streep – gemeinsam zu erleben im Journalistendrama Die Verlegerin; höchste Schauspielkunst, die höchsten Genuss beschert.

Hört sohin meine düstere Prophezeiung: Kein Schwein wird eure ach so wirklichkeitsnahen Filme sehen wollen, weil die Profession des Schauspielers – er/sie spielt und wir schauen – längst ausgestorben ist, bevor ihr eine simple Tatsache gneißt: Es ist einfach, jemand zu sein, aber ungleich schwieriger, jemanden zu verkörpern. Dazu braucht es Talent, Empathie und große Leidenschaft. Nur weil ich zufällig mit einer Behinderung lebe, heißt es noch lange nicht, dass ich einen Behinderten im Film authentisch darstellen könnte.

Weil mein Brieflein aber nicht nur dazu dienen soll, Hirnrissigkeiten aufzudecken, habe ich einen Vorschlag, die euren löchrigen Plan halbwegs kitten könnte. Österreichische Politiker haben in jahrzehntelangem Training die Kunst perfektioniert, sich selbst zu spielen. Als Reaktion auf die aktuelle Debatte sind nun einige von ihnen bereit, Hauptrollen in spannenden Remakes zu übernehmen, mit denen ihr in den kommenden Jahren den Kinokarren wieder flottmachen könnt.

Unsere Außenministerin ist derzeit in so vielen Seitenblicke-Rubriken zu finden, dass als nächster Karriereschritt fast zwingend die Teilnahme an einer internationalen Kinoproduktion erfolgen muss. Besonders anbieten würde sich der Spionagethriller Liebesgrüße nach Moskau, in dem Karin Kneissl von einem russischen Agenten bei ihrer eigenen Hochzeit erst betanzt und dann verführt wird. Ihr dämlicher Gatte kriegt nichts davon mit, und als später das ganze Land um seinen guten Ruf gebracht wird, ist es längst zu spät. In weiteren Rollen: Alfons Mensdorf-Poully als Oligarch, der für jede Bestechung offen ist, Josef Pröll als Verhandler ohne Kompetenz und Sebastian Kurz als Schattenkanzler, der stets im Schatten bleibt.

Die nächsten Filmhits, auf die wir uns freuen dürfen: Ein Mann sieht Rot! mit Christian Kern, der seine Slim-Fit-Anzüge endlich auf großer Leinwand präsentieren darf. Die Glücksritterin mit Eva Glawischnig, über eine Frau, die nach dem Verteilen von Gemeinheiten dem Mammon verfällt und für immer im Bauch eines Einarmigen Banditen verschwindet. Grüne Tomaten (Endlich wieder mehr Zeit für Gartenarbeit!)  mit Maria Vassilakou, die als Protagonistin ein Hochhausprojekt noch vor Baubeginn zum Einsturz bringt und schließlich fern der großen Stadt ein neues Leben anfängt.

Ein weiteres Projekt verspricht prickelnde Spannung, doch es fehlt noch die Unterschrift des Hauptdarstellers. Peter Pilz wurde für den erotischen Psychothriller Fifty Shades of Green (U-Ausschuss einmal anders!) angefragt, aber die Verhandlungen stecken fest; es wird gemunkelt, dass die Produzenten seinem Wunsch, sämtliche weiblichen Darstellerinnen vorab persönlich auf der Besetzungscouch testen zu dürfen, nicht entsprechen wollen. Sie befürchten einen Skandal von Weinsteinschen Dimensionen, womit sich der Kreis schließt.

Als Alternative zu Peter Pilz böte sich Hugh Grant an. Dann verkommt die Story zwar zu einer seichten Liebeskomödie mit Happy-Pop-Soundtrack, aber der Brite brächte die entscheidende Voraussetzung mit: Er ist seit jeher der einzige Schauspieler weltweit, der in jedem Film sich selbst spielt. Und genau das ist ja, was ihr wollt.

Cineastische Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

27. August 2018: Lieber Harald Mahrer!

Einen größeren Wunderwuzzi hat es in der Alpenrepublik wohl noch nie gegeben. So viele Jobs! Und immer in leitender Funktion! Wie schaffen Sie das nur? Hat Ihr Tag 48 Stunden im Gegensatz zu den läppischen 24 von uns leider Gottes sterblichen Erdlingen? Oder haben Sie bei einem sauerstofffreien Tauchgang während Ihres letzten Urlaubs die sagenhafte Stadt Atlantis entdeckt, wo in einem alten Freimaurergrab das Rezept für ewige Jugend, Kraft und Schönheit verborgen war?

Alles Hirngespinste. Die Wahrheit ist viel banaler, wie ich in der bunten Sonntagskrone von gestern erkennen musste. Sie sind einfach unglaublich fit. Um das zu beweisen, ließen Sie sich von einem Fotografen des Boulevardblattes auf einem Ihrer Powerläufe ablichten.

Mahrer läuft(Foto: Intersport)

Sie verkörpern perfekt das Motto Österreich neu regieren, das Bundeskanzler Sebastian Kurz ausgegeben hat. Getreu dem Vorhaben, Leistung muss sich wieder lohnen, haben Sie nicht bloß einen Stressjob aufgerissen, auch nicht zwei, drei, vier oder fünf. Nein, ganze sechs Ämter haben Sie übernommen und stehen noch dazu am Hirarchietreppchen immer ganz oben!

Wirtschaftsbund, Wirtschaftskammer, Sporthilfe, Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft, Wirtschaftsforschungsinstitut, und aktuell auch noch die Österreichische Nationalbank. Damit nicht genug: Sie beraten außerdem den Kanzler, führen eine eigene Firma, haben diverse Publikationen vorgelegt und sind auch noch verheiratet. Wie oft (oder eher: wie selten) Sie Ihre Frau zu Gesicht bekommt, wage ich mir gar nicht auszumalen. Von Kindern war noch nirgends zu lesen, aber Gerüchte besagen, Sie möchten irgendwann alle Ämter an geeignete Nachfolger übergeben. Da kann sich die Seitenblicke-Redaktion auf viele gelungene Familienschnappschüsse freuen!

Und jetzt Ihr neuester Coup: Mit der Fotostrecke aus der Sonntagskrone zeigen Sie nicht nur Ihren stählernen Body in aller Öffentlichkeit. Sie präsentieren gleichzeitig die neue Kampagne des Ministeriums für Gesundheit, dem Sie in Sachen Publicity ein bisserl unter die Arme greifen. Verständlich, denn was Beate Hartinger-Klein in letzter Zeit abgeliefert hat, war ein Fettnäpfchenparcours, kein Fitnesslauf.

Als Aushängeschild dieser Kampagne verzichten Sie ab sofort auf Ihren Dienstwagen und legen sämtliche Wege laufend zurück. Als Sponsor für die dafür notwendige Ausrüstung konnte die Firma Intersport gewonnen werden, wie ebenfalls in der Krone zu lesen war. Der Handel erwartet durch Ihre Unterstützung ein deutliches Umsatzplus. Aufgrund Ihrer Omnipräsenz vermuten manche sogar, den Hans-Dampf in allen Gassen, der Sie sind, gibt es ohnehin doppelt. Deshalb führt Intersport Ihre exklusiven Laufshirts, Hosen und Schuhe ausschließlich im 2er-Set.

Dem althergebrachten Vorurteil, Politiker seien faule Leute, die nichts Gescheites gelernt haben, treten Sie sohin laufend entgegen. Den Glaubenssatz der anderen Reichshälfte, Ihr Berufsstand wäre ausschließlich am Sammeln von Ämtern, Reisediäten und Sitzungsgeldern interessiert, entkräften Sie locker damit, dass Sie sämtliche noch im Ausland befindlichen Goldreserven der ÖNB zu Fuß und eigenhändig zurück in die Heimat transportieren werden. Danach holen Sie noch den Hahnenkammtitel auf der Streif mit Streckenrekord, gewinnen das Finale der French Open gegen Roger Federer und den Goldenen Schuh als Europas bester Ligatorschütze.

Von da an wird Ihnen die Welt offenstehen – auch der Papst braucht irgendwann einen Nachfolger.

Mit allergrößter Huldigung, Der Kernölbotschafter

Feder

 

24. August 2018: Liebe ÖBB!

Wenn ihr in die Schlagzeilen geratet, so meist wegen hoher Kosten, hoher Preise oder hoher Erwartungen, die ein ehemaliger Chef von euch an ein superleiwandes Leben als strahlend lächelnder Bundeskanzler hatte. Die Geschichte ging bekanntlich nach hinten los, aber heute geht es eh um etwas ganz anderes. Ein im wahrsten Wortsinne echt hohes Tier wollte in einem eurer Züge mitfahren, doch das haben eure Angestellten zweimal resolut verhindert.

Der erste Versuch von Haflingerstute Frida, im obersteirischen Bad Mitterndorf den Waggon eines Regionalzuges zu erklimmen, endete noch vor der Tür. Der Lokführer verwehrte den Zutritt mit dem Rat an ihren Besitzer Benjamin, eine schräge Mischung aus Naturbursch und Almöhi, er möge lieber reiten.

Beim wenig später haltenden Railjet hatten die beiden mehr Glück. Der Vierbeiner und sein Herrchen gelangten in einen Waggon, posierten dort vor den verdutzten Zweibeinern für ein paar schnuckelige Selfies, wurden letztlich aber doch von einer sehr amtlich aussehenden Person wieder hinauskomplimentiert. Frida nahm ein glückseliges Kind auf ihren Rücken, legte den Rückwärtsgang ein und sagte wiehernd tschüss mit ü.

Über die Gründe, warum ihr die friedliche Frida von deinem Beförderungsdienst ausgeschlossen habt, gehen die Meinungen auseinander. In eurer offiziellen Stellungnahme heißt es, nur die Mitnahme von kleinen Tieren in verschlossenen Behältnissen sowie Hunden mit Maulkorb, wenn diese ein Ticket hätten, sei erlaubt. Ein Pferd „würde die Sicherheit aller anderen Passagiere gefährden, etwa bei einem Bremsmanöver.“

In meiner Eigenschaft als investigativ-satirischer Journalist habe ich eine alternative Wahrheit, wie Donald Trump twittern würde, recherchiert. Der Ticketautomat am Bahnhof Mitterndorf ist noch nicht von neuester Bauart. Verkehrsminister Norbert Hofer hatte bei Amtsantritt versprochen, auch die hohen Tiere der Regierung würden von nun an öfter mit der Bahn fahren und dafür ein Ticket lösen. Das hat der gute Benjamin wörtlich genommen und unterzog die Frage, ob auch Frida, sein hohes Tier, einen Fahrschein erwerben könnte, einem Praxistest. Als die Haflingerdame dabei scheiterte, probierten sie es getreu dem Motto Schwarzfahrer sind nur jene, die dabei erwischt werden auf die althergebrachte Weise.

Im Exklusivinterview mit der Kernölbotschafter-Redaktion forderte Benjamin nach seiner medienwirksamen Aktion den Verkehrsminister auf, nach „140 km/h auf Autobahnen“ und „Rechtsabbiegen bei Rot“ eine weitere Gesetzesnovelle in Angriff zu nehmen. „Freie Bahnfahrt für freie Pferde“ würde den Transport heimischer Voll-, Warm- und Kaltblüter revolutionieren. Eine Reservierung der halben Kapazitäten eurer Züge für gesattelte und beschlagene Vierbeiner würde zudem die Auslastung mit einem Schlag in noch nie da gewesene Höhen treiben.

Sohin reiche ich eine Kopie dieser Forderung an das Innenministerium weiter. Herbert Kickl ist dem Vernehmen nach Feuer und Flamme für den Vorschlag. Bei einer kurzfristigen Umsetzung könnte er seine berittene Polizeieinheit schneller von Wien nach Bregenz verlegen, als er es sich als blauer Sprücheklopfer jemals erträumt hatte. Das erste Sujet ist schon in Druck gegangen und soll demnächst auf all euren Intercitys zwischen Wien und Bregenz aufgezogen werden.

Besser hoch zu Ross am Pfänder als tatenlos am Donaugeländer!

Mit von so viel Kreativität fast erschlagenen Grüßen, Der Kernölbotschafter

Feder

 

23. August 2018: Liebe Herzlichkeit!

Vielleicht wunderst du dich darüber, einen Brief von mir zu bekommen, weil du meist ein Leben im Verborgenen führst. Das jedenfalls möchte man glauben, wenn man durch den Tag wandert: verbitterte, harte, traurige Gesichter, wohin man schaut.

In Wirklichkeit bist du überall! Es braucht nur ein bisschen Achtsamkeit, dich zu entdecken. Dabei hilft auch, mit deiner kleinen Schwester, der Herzensbildung, befreundet zu sein. Und noch etwas ist wichtig: die Erkenntnis, dass du nur in den Menschen steckst, niemals in den Dingen.

Heute schreibe ich dir aber nicht um zu philosophieren. Vielmehr möchte ich mich bedanken. Du hast dich in den letzten Tagen aus der Deckung gewagt und mir zweimal ganz offen deine Aufwartung gemacht, auf völlig verschiedene, wunderbare Art und Weise. Ich bin noch immer voll davon geflasht, wie es im modernen Begeisterungssprech so schön heißt.

In der ersten Begegnung warst du mit einem kleinen Buben unterwegs. Gemeinsam wanderten wir über eine Almwiese. Wie selbstverständlich bewegte sich das Kind meiner Geschwindigkeit angepasst und beobachtete mich dabei genau. Als wir zu einer abschüssigen Stelle kamen, sagte der etwa Achtjährige: „Hier kann es rutschig sein. Soll ich dir helfen?“

Jenes reine, kindliche Angebot durchflutete mich so wohltuend, dass ich für Sekunden keine Antwort fand. Seine 25, vielleicht 30 Kilo würden niemals ausreichen, um mich im Fall meines sprichwörtlichen Falles vor einer ungewollten Landung im Gras zu bewahren. Und doch war seine Hilfsbereitschaft ernst gemeint – das Kind würde zweifellos eingreifen und am Ende über sein Scheitern bitter enttäuscht sein.

„Sehr lieb von dir, aber ich schaffe das schon“, gab ich zurück, als ich sicher sein konnte, meine Stimme würde nicht mehr zittern vor Rührung. Wir gingen weiter einträchtig nebeneinander her bis zu unserem Ziel, einer Holzbank. Der Bub, gegenwärtig wie es nur Kinder sein können, erzählte von seinen Ferienerlebnissen. Und ich erfreute mich mit dir, die du mit uns auf der Bank Platz genommen hattest, an diesem beständigen Strom von Glück.

Ein paar Tage später betrat ich unweit meines Heimatortes ein kleines Geschäft, um eine Reparatur in Auftrag zu geben. Die Angestellte ist wohl eng mit dir verbandelt, denn kaum jemand sonst beschenkt meine Gegenwart stets mit einem derart offenen und anziehenden Wesen.

Als sie sich nach einem fröhlichen „Sekunde, ich hab’s gleich!“ mir zuwandte, sah ich ein großes weißes Pflaster an ihrer linken Wange; die Haut rundum war gerötet. Gleich darauf bemerkte ich noch etwas anderes, das ich ohne die Entstellung bestenfalls zur Kenntnis genommen hätte: Du bist neben ihr gestanden und hast ihre ganze Gestalt erleuchtet – am meisten ihr Gesicht.

Positive, meine Seele nährende Energie, wie ich sie lange nicht erleben durfte, erfüllte den Raum. Sie begann bei den strahlenden Augen der jungen Frau und ging in ein das ganze Leben umarmendes Lächeln über, als sie mich begrüßte und wir in aller Kürze das Geschäftliche erledigten. Ein Gefühl, als sei ich in diesem Moment der wichtigste Mensch für sie, ließ Erinnerungen an wertvollste Momente in meinem Leben auferstehen. Mit einem Mal war alles leicht, richtig und gut. Ausreden, verschämte Blicke, falsches Mitleid – nichts davon kam auch nur in die Nähe eines konkreten Gedankens.

„Was ist dir passiert?“, fragte ich deshalb ohne jede Angst, einen Fehler zu machen.

„Ein Abszess“, erwiderte sie leichthin; Freundlichkeit und Lebensliebe verminderten sich dabei um keinen Deut. „Aber eigentlich ist es der Ausdruck von etwas, das ich noch nicht annehmen kann.“

In diesem Augenblick hast du mir eine der wichtigsten Lektionen erteilt. Du bist nur in Menschen, die ohne jede Einschränkung ehrlich sind – zu anderen, aber vor allem zu sich selbst. Diese Ehrlichkeit braucht kein Versteck, auch keine Masken aus Stolz oder Arroganz. Durch dich konnte die junge Frau klar und ohne Scham auf einen Teil ihres Seins schauen, der noch Heilung nötig hat.

Für all das möchte ich dir danken. Ich freue mich schon sehr auf unsere nächste Begegnung.

Von ganzem Herzen, Der Kernölbotschafter

Feder

 

17. August 2018: Liebes Pärchen beim Spar!

Ihr zwei wart für mich ein derart aufregender Hingucker, dass ich euch einfach schreiben muss! Am 7. August schlurfte ich auf der Suche nach kurzfristiger Kalorienzufuhr durch die Gänge des rotgrünen Nahrungsmitteldealers in Anger. Die Fleischtheke bereits in Sichtweite und kurz davor, dem ungesündesten Tagesangebot – latscherte Semmel, heißer Leberkäse, scharfer Senf – zu verfallen, kreuztet ihr meinen Weg, irgendwo zwischen Knäckebrot und Fertigsugo.

Euer Foto steht im Lexikon neben dem Begriff Junges Pärchen beim Einkaufen 2018, keine Frage. Mit euren verspiegelten Sonnenbrillen, der perfekt zur Schau getragenen weiblichen Angefressenheit und des deutlich sichtbaren männlichen Unglücks, trotz ultracooler Schirmkappe zum bloßen Korbträger degradiert worden zu sein, könnte es keine besseren Prototypen dafür geben, wie der an sich banale Vorgang des Einkaufens heutzutage beziehungstechnisch abläuft.

Ich bin so frei und nenne euch bei passenden Vornamen. Deine Gedanken, Henrik, konnte ich  förmlich hören: Tu endlich weiter! Verständlich, denn jeder Typ würde kribbelig werden, müsste er dabei zusehen, wie seine angeblich bessere Hälfte jedes in den Einkaufswagen gelegte Stück in einem rosa Bändchen vom Typ Mein erstes Tagebuch abhakt. Ein heftiges Augenverdrehen ist wohl das Mindeste, dank der undurchsichtigen Gläser auch gut geschützt vor einem bissigen Kommentar.

Doch es half alles nichts. Sabrina, du hattest die Ruhe weg. Nach langem Hin- und Herdrehen diverser Packungen landete ein Leichtbrot im Wagerl, dann kam ein Häkchen ins Büchlein. Die Szene faszinierte mich dermaßen, dass ich meinen Heißhunger gänzlich vergaß. Und ich wurde sogar noch mit einer Steigerung belohnt: Offenbar unfähig, das Drama länger mitanzusehen, wandtest du, Henrik, dich mit Grausen ab und damit deine Vorderseite mir zu. Meine Augen weiteten sich vor ungläubigem Entsetzen, als ich die Beschriftung deines T-Shirts lesen musste.

Geilsten Arsch

Wo bist du angrennt, Henrik?! Ich hoffe sehr für dich, dass du Sabrina liebst, aber bei aller Liebe: Mit dem Teil in die Öffentlichkeit zu gehen, das hat echt was von Masochismus! Sie kann es dir zu Weihnachten, zum Geburtstag oder an eurem Jahrestag geschenkt haben; vielleicht hat Sabrina das unsägliche Stück auch als süßes Osterhaserl unter eurem Bett versteckt. Trotzdem hättest du nach dem Auspacken eindeutige Worte sprechen müssen: „SO ETWAS ZIEHE ICH NICHT AN!“

Ich will nicht moralisieren, aber der nachfolgende Tipp ist gratis und kann möglicherweise eure Beziehung retten: Geh so schnell wie möglich zur Typberatung und danach zu C&A, H&M oder zu irgendeinem anderen Gewandtandler, der momentan für deinen Geschmack angesagt ist. Dort investierst du die nächsten paar Lehrlingsentschädigungen oder Studienbeihilfen.

Falls deine holde Sabrina danach bei deinem Anblick auch ohne Gläserverspiegelung die Augen verdreht, räumst du am besten sofort ihren Kleiderschrank aus. Das schafft Platz für die nächsten passenden Stücke, die dein Leben und vor allem deinen Selbstwert pimpen werden. Versprochen!

Hoffnungsvolle Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

10. August 2018: Liebe Hera Lind!

Am vergangenen Samstag, dem 4. August 2018, haben Sie mit Ihrem Mann die Freiluftübertragung von Mozarts Zauberflöte auf dem Salzburger Kapitelplatz besucht. Ich weiß das, weil der Tisch meiner Wenigkeit direkt hinter Ihrem stand; gemeinsam mit meinen Eltern hatte ich deshalb beste Sicht – sowohl auf den Großbildschirm als auch auf Sie und Ihren charmanten Begleiter.

Mein Brief hat nichts mit der Aufführung zu tun. Diese würde ich am liebsten aus meinem Gedächtnis löschen wie eine jahrealte, nie beendete Geschichte von meinem PC. Doch leider hat sich die krude Fantasie der mental wohl fehlgeleiteten Regisseurin zu tief in mein Hirn gebrannt. Für diese Verhunzung meiner Lieblingsoper gehört sie mit dem nassen Fetzen nach Trumpistan zurückgejagt, da sind auch alle huldvoll in die Kamera gesülzten Bewunderungen von Barbara Rett vergebene Liebesmühe.

Schon nach wenigen Minuten hatte ich für die Inszenierung den passenden Namen gefunden: Rocky Horror Picture Show in der Zuckerlwerkstatt. Einziger Lichtblick war Emma Posmann, die junge Einspringerin als Königin der Nacht. Nach dieser famosen Leistung wird sie in ihrem Fach mit aller Berechtigung Karriere machen.

Trotz jenes visuellen Alptraums, der den Begriff Kunst ad absurdum führt, erlebte ich einen wunderbaren Abend – und der Grund dafür waren Sie, Frau Lind. Wie bei populären Opern üblich, muss, wer am Beginn der Übertragung einen der aufgestellten Sessel am Kapitelplatz be-sitzen will, etwa eine Stunde früher vor Ort sein. Naturgemäß schaffen das nicht alle Kulturliebhaber; sohin gehen viele der Überpünktlichen links und rechts der Reihen auf und ab, angestrengt nach einem irgendwo frei gebliebenen Plätzchen Ausschau haltend.

So auch eine alte, äußerst beleibte Dame im schwarzen Kleid, die noch dazu durch die Verwendung  zweier Krücken sehr in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt war. Die große Mühe stand ihr ins Gesicht geschrieben und war an ihrem Schnaufen bis zu unserem Platz zu hören. Mehrmals blieb sie stehen und drehte suchend den Kopf in alle möglichen Richtungen, wurde jedoch nicht fündig. Von den bereits sitzenden Zuschauern besaß niemand den Anstand, der betagten Frau den eigenen Stuhl anzubieten.

Ich kann nicht sagen, Frau Lind, ob es die Gefühllosigkeit dieser egoistisch-ignoranten Bagage war oder doch Ihr Mitgefühl für die arme Frau. Jedenfalls erwiesen Sie sich als spontan tatkräftig: Nach wenigen Sekunden hatten Sie im Restaurantbereich einen freien Polstersessel entdeckt, hoben diesen eigenhändig über zwei Tischreihen und brachten ihn der Frau in den mit Klappstühlen bestückten Zuschauerbereich. Leider konnte ich bei eurem kurzen Gespräch das Gesicht der alten Dame nicht sehen. Bestimmt war sie außerordentlich dankbar für Ihre Geste der Achtsamkeit. Später beobachtete ich immer wieder, wie sie regungslos die Vorstellung verfolgte.

Die Zauberflöte erklingt in den kleinen Momenten, Frau Lind. An diesem Abend waren Sie es, die ihr Spiel zum Leben erweckt hat. Dagegen hatte der grandiose Schwachsinn auf der Bühne des Großen Salzburger Festspielhauses nicht die geringste Chance.

Verzauberte Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

1. August 2018: Sehr geehrter Martin Winterkorn!

Das Leben kann aber schon garstig sein. 2011 waren Sie noch der am besten bezahlte Manager Deutschlands – 17,456.000,00 Euro Jahresgage muss man erst einmal ausgeben. Und keine vier Jahre später waren Sie der Buhmann für alle und mussten wegen der Diesel-Abgasaffäre von Ihren vielen Ämtern zurücktreten. Was Sie mit getürkten Dieseln bis dahin verdient haben, durften Sie meines Wissens aber behalten. Trotzdem, Shit happens.

In weiser Voraussicht hatten Sie schon vor Auffliegen des Skandals (man weiß ja nicht, was neidigen Richtern, proletarischen Staatsanwälten und vor allem den verrückten Amerikanern alles einfällt) Teile Ihres Vermögens an Ihre Frau übertragen. Diesen „Einem Nackerten kann man ja nichts ausziehen!“-Trick kennen wir auch aus Österreich zur Genüge. Beliebt bei allen Ex-Amtsträgern, die aufgrund irgendwelcher Schwindligkeiten in der Vergangenheit fürchten müssen, dass eines Tages naiv-blöde Gerechtigkeitsfanatiker auf ihren wohlbestallten Busch klopfen.

Und noch eine Gefahr ist nicht zu unterschätzen. Den vielen Ex-Titeln könnte bei mangelndem Wohlverhalten mir nichts, dir nichts auch der Ex-Mann hinzugefügt werden. Das geht schnell: Wenn zum Beispiel die von VW bezahlte, 60.000,00 Euro teure Heizanlage für Ihren Koi-Karpfenteich ausfällt, die Fischlein mit dem Bauch nach oben im Wasser treiben und Ihre Gattin ob des Anblicks einen Nervenzusammenbruch erleidet, für den sie wiederum Ihnen die Schuld zuschiebt, stehen Sie schwuppdiwupp zum zweiten Mal vor dem Scheidungsrichter.

Also hatten Sie eine Idee, die jedem finanziell wenigstens halbgebildeten Menschen gut ansteht: die Rücklage eines Notgroschens. Bei manchen findet sich dieser in der Keksdose, bei den nächsten im Geheimfach oberhalb der Feuerstelle im Kamin, bei wieder anderen klassisch unter der Matratze. Ihnen kamen jedoch Zweifel, ob an solchen Orten die von Ihnen angedachten 10,000.000,00 Euro ausreichend Platz fänden; immerhin sind das 20.000 Fünfhunderter, die es noch dazu bald nicht mehr geben wird, also doch eher 50.000 Zweihunderter. Ein ganz schöner Berg; Donald Duck würde darin ein herrliches Bad nehmen.

Also doch lieber die Alternative für alle Alt-, Neu- und sonstigen Reichen: Das verlässliche und anonymisierte Konto in der Schweiz, wo man noch weiß, dass Diskretion für die gehobene Klientel alles ist, und zweifellos gut damit verdient. Über ein Treuhandkonto Ihres Steuerberaters – ganz persönlich wollten Sie dann doch nicht auf dem Beleg aufscheinen – sollen die zehn Mille letztendlich bei einer Züricher Bankdepot Ihrer Frau gelandet sein.

Blöd ist jetzt nur, dass Ihnen die Staatsanwaltschaft Braunschweig irgendwie auf die Schliche gekommen ist und Sie wegen Steuerhinterziehung drankriegen will. Rein rechtlich handelt es sich nämlich um eine Schenkung, für die – erraten! – die gleichnamige Steuer fällig gewesen wäre.

Doch Sie wären kaum der toughe „Ich habe von den Abgasmanipulationen ehrlich nichts gewusst!“-Manager, würden Sie Ihren bitter vom Mund abgesparten Notgroschen nicht mit Zähnen und Klauen verteidigen. Ihr findiger Anwalt will jetzt die Staatsanwaltschaft wegen Verrats von Dienstgeheimnissen verklagen, weil in der Bild, bekanntlich das Magen-und-Darm-Medium der deutschen Zeitungslandschaft, bereits von den Verdächtigungen gegen Sie zu lesen war.

Herr Winterkorn, Sie sind wie ein Dieb, den die Polente beim Klauen erwischt hat. Weil Ihnen und Ihrem Winkeladvokaten nichts anderes einfällt, wollen Sie nun den Leuten, die das von Rechts wegen überprüfen, die Schuld dafür in die Schuhe schieben. Nach dem Motto: „Wenn niemand da wäre, der mir auf die Langfinger schaut, bräuchte ich gar nicht zu betrügen.“

Im Sinne der bei unseren Lieblingsnachbarn halbwegs funktionierenden Gerichtsbarkeit hoffe ich, dass Sie ein paar Milliönchen für Strafe und nachträgliche Schenkungssteuer abdrücken müssen, auch wenn dadurch ihr Notgroschen ein bisschen kleiner wird. Ich bin jedoch sicher, dass in Ihrer günstig angemieteten 400m²-Villa noch irgendwo ein paar Bündel Fünfhunderter herumliegen. Sie dürfen halt nicht darauf vergessen, diese vor Gültigkeitsablauf auf ein Schweizer Nummernkonto einzuzahlen. Oder auf das Ihrer Frau – was aber, wie oben bereits vermerkt, gefährlich sein kann.

Geldige Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

27. Juli 2018: Sehr geehrter Hermann Nitsch!

Mich hat ein Wink des Schicksals ereilt! Aus diesem Grunde wende ich mich an Sie, den größten und einzigartigsten Künstler auf Ihrem Gebiet.

Ich muss gestehen, dass ich bisher mit Ihren Arbeiten kaum in Berührung gekommen bin. Ihr beeindruckendes Antlitz, eine gelungene Mischung aus Almöhi und Rübezahl, taucht zwar regelmäßig in den gesellschaftsrelevanten Medien auf, doch zu mehr als ein paar Seitenblicke-Ausschnitten habe ich es leider noch nicht geschafft. Das wird sich jetzt entscheidend ändern, da mir gestern etwas Außerordentliches gelungen ist: mein erstes Schüttbild!

Apfelcreme Elefant

Beeindruckend, nicht wahr? Ich nenne es Büffel kurz vor dem Angriff, mit Exkrementen. Die Entstehungsgeschichte ist von derart ungewöhnlicher Zufälligkeit, dass die eingangs von mir erwähnte Vorsehung außer Frage steht.

Ich hatte den Hauptgang meines Mittagessens beendet und war gerade im Begriff, die Nachspeise, eine formidable Apfelcreme, in eine für den Verzehr geeignete Position vor mich zu ziehen. Plötzlich und ohne die geringste Vorwarnung kippte der Kelch in meine Richtung! Es ergoss sich ein Schwall Creme auf das rote Tischset. Nachdem ich mich von dem Schock erholt und darüber gefreut hatte, nicht auf meine graue Hose gekleckert zu haben, betrachtete ich das ockerfarbene Häufchen. Dieses wäre für sich schon ein Kunstwerk gewesen, das wohl unter dem Titel Beweis einer drohenden Durchfallerkrankung Furore gemacht hätte.

Da es mir jedoch zuwider ist, Lebensmittel zu verschwenden, habe ich das Häufchen mittels eines kleinen Löffels seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Und ich muss sagen: Es wäre wirklich zu schade gewesen, auch nur die kleinste Kleinigkeit der Apfelcreme zu vergeuden.

Mein nachhaltiges Tun verschaffte mir sodann ein noch viel größeres Wunder. Nach dem letzten Genussmoment sah ich auf etwas vor mir, das einfache Gemüter wohl nur ratlos zurücklässt. Mir jedoch fiel es wie Schuppen von den Augen! Der Absturz meiner Apfelcreme war gar keine Ungeschicklichkeit, sondern ein Augenblick höchster, innigst empfundener Kunst! Sie ist gleichsam aus mir durch den Glaskelch auf das Tischset geflossen. Und wie es eben ist, wenn alles fließt, war auch der Titel schon nach einer weiteren Sekunde klar. Der Büffel senkt angriffslustig sein edles Haupt, er entledigt sich noch schnell überflüssiger Verdauungsendprodukte und ist im Begriff, sich seinen allerschlimmsten Feinden im Kampfe zu stellen – siegreich oder bis in den Tod!

Sie werden die Qualität dieser Arbeit auf den ersten Blick erkennen, werter Herr Nitsch. Deshalb biete ich Ihnen das Schüttbild Büffel kurz vor dem Angriff, mit Exkrementen (Creme aus Frühäpfeln und Schlagobers auf rotem Stoff) zum Vorzugspreis von 100.000,-- Euro für Ihr weltberühmtes Museum in Mistelbach an. Ein Rechnungsbeleg ist nicht erforderlich; mir kam zu Ohren, dass Sie schon in der Vergangenheit nicht viel Aufhebens um eine doppelte Buchführung gemacht haben.

Sollten Sie mein Angebot aus unerfindlichen Gründen ausschlagen, biete ich das Bild, sobald die Creme konserviert ist, als Originalportrait des großen Indianerhäuptlings Raging Bull auf eBay an. Die Preise für derartige Exponate erleben unter Freunden von Donald Trump, die wie der US-Präsident viel Wert auf gedankenlos Herausgeschütteltes legen, einen ungeahnten Höhenflug. Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören, Herr Nitsch!

Künstlerische Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

25. Juli 2018: Sehr geehrter Wiener Krankenanstaltenverbund!

Hiermit bewerbe ich mich offiziell bei Ihnen als Bauzaunwärter. Zwar weiß ich weder, ob das ein anerkannter Ausbildungsberuf ist, noch wo die Bauzaunwärter-Akademie ihren Sitz hat, die man als Voraussetzung für die Stelle sicher besucht und abgeschlossen haben muss. Fest steht aber jedenfalls, dass Sie jemanden brauchen, der den Bauzaun um die Baustelle des noch immer im Bau befindlichen Krankenhauses Wien Nord bewacht.

Wieso ich das weiß? Aufgrund einer logischen Schlussfolgerung. Wenn Sie für die Wartung Ihres Bauzauns 839.000,-- Euro ausgeben und noch einmal 95.000,-- Euro, damit ein Energetiker einen Schutzring um die gesamte Baustelle samt Bauzaun zaubert, muss dieser Zaun ungeheuer wertvoll sein, ergo strengstens im Auge behalten werden.

Wobei: Richtet man sein Auge auf die aktuell veranschlagten Gesamtkosten für das Vorzeigeprojekt der Stadt Wien, ist diese doppelte Hochsicherheitsumzäunung geradezu ein Schnäppchen. Sie macht nicht einmal 6,22 % der eineinhalb Milliarden Euro aus, die das Schmuckkästchen am Ende kosten soll. Sohin hat der Wiener Altbürgermeister den letzten Anstieg bei den Schätzungen auch völlig richtig eingeschätzt: „400 Millionen? Das sind halt technische Probleme, nichts Ernstes.“

Apropos Technik: Das Areal dieser Goldgrube, mit der Sie, sehr geehrter KAV, sich zweifellos die Krösus-Krone aufsetzen werden, ist entsprechend weitläufig nicht wahr? Deshalb ersuche ich Sie, vor dem Einstellungsgespräch Ihr Anlagenverzeichnis zu durchforsten. Irgendwo wird sicher ein altes, aber noch funktionstüchtiges Golfcar herumstehen (vielleicht vom letzten Charity-Turnier für verarmte Ex-KAV-Funktionäre?), auf dem ich meine nächtlichen Runden um den Bauzaun ziehen kann. Als Dienstwaffe schlage ich mit flüssigem Valium gefüllte Spritzpistolen vor; klarerweise das Spitzenmodell in Gold, eine Sonderanfertigung der Firma Glock, zum Sonderpreis von 25.000,-- Euro pro Stück. Damit lege ich Bauzaunräubern, die nur auf den günstigsten Moment für einen großen Coup warten, im Handumdrehen das schändliche Handwerk.

Meine Gehaltsvorstellung orientiert sich selbstredend am Wert des zu bewachenden Objektes. Mehr als die Kosten für eine schnöde Glock sollte schon drin sein, also schlage ich schlanke 50.000,-- Euro netto vor, 16mal im Jahr, zuzüglich Nacht-, Wetter- und Golfcarwartugnszulage. In diesem Gehalt ist selbstverständlich die lückenlose Dokumentation über jede gefundene Zaunlücke enthalten.

Sollten Sie wider Erwarten dieses lukrative Angebot nicht annehmen, habe ich noch einen Alternativvorschlag: Ich montiere den Bauzaun ab, stelle ihn irgendwo im Wiener Umland auf eine Wiese und bewache dort alle Politiker, Funktionäre und sonstigen Verantwortlichen, die vom kürzlich zur Bürgernotwehr hochgerüsteten Bund der Steuerzahler dort eingesperrt werden. Und zwar so lange, bis auch der letzte von den Delinquenten kapiert hat, dass man fremdes Geld viel sorgsamer zu verwalten hat als eigenes. Die frei gewordenen Stellen könnten in der Zwischenzeit mit federführend am Bau beteiligten Personen des neuen Flughafens Berlin besetzt werden. Ich bin sicher, das steigert die Chancen auf eine baldige Eröffnung Ihrer protzigen Hütte beträchtlich!

In diesem Sinne hoffe ich, ein ausbau- sowie tragfähiges Angebot gelegt zu haben und sehe Ihrer Antwort mit großen Interesse entgegen.

Mit professionellen Grüßen, Der Kernölbotschafter

Feder

 

24. Juli 2018: Lieber Mesut Özil!

Was ist nur los mit deutschen Sportlern, wenn sie einen Hauch von Kritik verspüren? Vor knapp einem Monat musste der Kernölbotschafter den früheren Tennishelden Boris Becker rügen, weil er sich mit der schnöden Hilfe eines Diplomatenpasses der Zentralafrikanischen Republik vor einem britischen Insolvenzantrag drücken wollte. Und jetzt kommst du daher und drückst dich wie eine beleidigte Leberwurst vor den Folgen deiner eigenen Blödheiten.

Du hast ein begnadetes Füßchen, Mesut. Das beweist allein schon die Liste der Vereine, deren offensiven Mittelfeldrasen du als A-Spieler bislang beackert hast. Schalke 04, Werder Bremen, Real Madrid. Seit fünf Jahren kickst du bei Arsenal in London. By the way, bist du dort vielleicht einmal von Boris Becker um ein Packerl Tschick und ein großes Bier angeschnorrt worden? Falls ja, hast du ihm sicher ein paar Drinks ausgegeben, denn du hast es ja dick, wie ein Großer.

Vielleicht liegt gerade dort das Problem. Dein Konto ist immer gewachsen – und dein Verstand ist gleich geblieben. Oder sogar geschrumpft, angesichts der vielen Nullen vor dem Komma auf deinen Verträgen. Anders können es sich viele Normalos unter deinen Fans nämlich nicht erklären, warum du dein Gesicht neben dem türkischen Sultan in die Kameras hältst. Eine unbedachte Dummheit, wie gesagt. Die hätte es auch bleiben können, denn Medienfuzzis und Öffentlichkeit vergessen eh schnell. Gegen den Skandal von heute ist jener von gestern so interessant wie der Furz eines Eichhörnchens im Schwarzwald. Aber du konntest es nicht bei diesem einen Furz belassen.

Shit happens, ich versteh‘ das schon. Wenn einer wie du Pech beim Denken hat, kommt manchmal auch noch kein Glück dazu. Die WM in Russland war für Die Mannschaft, wie ihr euch selbst ein bisserl hochtrabend nennt, nicht wirklich eine Reise wert. Hättest du den Karren aus dem Dreck gezogen und deine Kollegen mit ein paar Geniestreichen noch ins Achtelfinale oder darüber hinaus geschossen, wäre niemand auf die Idee gekommen, über deine „Ich ehre das Land meiner Ahnen“-Verrücktheit auch nur nachzudenken.

Die Auszeit nach eurer ungeplant frühen Rückkehr aus Putins Zarenreich hättest du dazu nutzen können, in dich zu gehen und ein bisserl Fußballrasen über die Sache wachsen zu lassen. Ersteres hast du laut eigenen Angaben gemacht; herausgekommen ist jedoch weder die Einsicht, dass Schweigen goldiger ist als Twittern, noch die Erkenntnis, mit dem öffentlichkeitsgeilen Leiberltausch niemandem einen Gefallen getan zu haben außer dem türkischen Staatschef. Im Gegenteil: Du hast eine noch viel größere Blödheit draufgesetzt, die bereits jetzt die Wahl zum Eigentor des Jahres todsicher in der Tasche hat.

Der arme Mesut als Rassismus- und Medienopfer? Ich weiß nicht, von welcher Seite du für diese krude Verdrehung der Tatsachen Mitleid erwartest. Da lässt du dich grinsend mit einem der größten Menschenrechtsverletzer der Erdkugel fotografieren und jammerst hinterher, dass kritisch darüber berichtet wird. Du stilisierst dich als Opfer Deutschlands, wo du geboren und aufgewachsen bist und auch deine Ausbildung zum Fußballprofi, immerhin die Basis für deine spätere Weltkarriere, erhalten hast. Und du behauptest frech, das Foto mit Erdogan habe nur mit Sport zu tun, nicht mit Politik. Wenn du das wirklich glaubst, bist du noch dümmer, als deine Aktionen jetzt unter Beweis stellen. Oder du hast das unfähigste Management aller Zeiten.

Nochmal in Großbuchstaben für dich, zum Mitschreiben: EIN GEMEINSAMES FOTO MIT EINEM POLITIKER HAT IMMER MIT POLITIK ZU TUN! Deshalb hättest du dir vorher überlegen sollen, wem dieses hirnbefreite Shooting nützen und wem es schaden könnte. Deine Suderei aber nützt definitiv den Falschen und schadet allen Migrationshintergründigen. Vor allem, weil sich in den Köpfen ein Gedanke festsetzt, den rechte Parteien jetzt Ende nie trommeln werden: Wir haben immer schon gewusst, dass selbst in Deutschland geborene Ausländer nicht integrierbar sind!

Deine Begründung für den Rücktritt aus der Nationalelf ist die letzte einer ganzen Reihe von Schwalben, für die du einen Elfmeter schinden wolltest. Zum Glück hat dich der Videobeweis aufgedeckt: Deine weinerlichen „Ihr seid alle so gemein zu mir!“-Tiraden gegen den DFB und die deutschen Medien sind nichts anderes als der letzte Rundumschlag eines trotzigen Bubis, der es sich mit allen verscherzt hat. Dabei windest du dich verbal wie Neymar nach einem Foul und machst ihm die Goldene Zitrone für die mieseste schauspielerische Leistung streitig.

Schlechte Verlierer mag niemand, Mesut. Weder im Sport noch im Leben. Vielleicht verstehst du das jetzt noch nicht. Aber nun hast du ja viel mehr Zeit zum Nachdenken. Möge dieser Doppelpass mit dir selbst ein paar gute Ideen bringen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Entschuldigung?

Integrative Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

22. Juni 2018: Sehr geehrter Innenminister Kickl!

Es ist zum Wiehern! Gestern wurde bekannt, dass sich für Ihre Königsidee, in Wien eine berittene Polizeitruppe zu installieren, erst vier Pferde gemeldet haben. Dem Vernehmen nach hatten Sie felsenfest mit einem heftigen Angalopp auf die zu vergebenden zwölf Plätze gerechnet, um aus der riesigen Herde auf dem Heldenplatz nur die stolzesten, reinrassigsten, heißblütigsten Exemplare wählen zu können.

Die Parade glich alsdann nicht einmal, wie es Ihnen kurz vor Geburt der Idee im Traum erschienen war, den vier Musketieren. Eher hatten interessierte Zaungäste den Eindruck, hier würden die Bremer Stadtmusikanten, Abteilung Equidae, aufmarschieren. Da der vom BVT angeforderte Pferdeflüsterer Robert Redford nicht verfügbar war, wurde der Kernölbotschafter, bekannt für seine investigativen Fragestellungen, damit beauftragt, den Kandidaten aufs Gebiss zu fühlen. Nachstehend das Protokoll der durchgeführten Interviews.

 Frage: Warum haben Sie sich als Polizeipferd beworben?

Antwort Pferd 1: „Ich wollte immer in die Spanische Hofreitschule, aber dort haben sie mich wegen der falschen Parteifarbe nicht genommen. Keine Ahnung, warum die dort nur die Weißen reinlassen. Eleganz tänzeln und arrogant dreinschauen kann doch jedes gerade gewachsene Pferd!“

Antwort Pferd 2: „Die Arbeit als Zuchthengst ging mir auf die Dauer zu stark auf die Psyche. Sie haben keine Ahnung, Herr Botschafter, welche Kommentare man sich von den blöden Stuten anhören muss, wenn man es nicht auf Knopfdruck bringt!“

Antwort Pferd 3: „Weil es schon nach fünf Dienstjahren beste Aufstiegschancen gibt. Ich hörte, an der New Yorker Met suchen sie ständig neue Pferde als Statisten. Schon immer wollte ich mein schauspielerisches Talent beim Einzug der Soldaten in der Aida unter Beweis stellen. Triumphmarsch, ich komme!“

Frage: Wie werden Sie die Arbeit unter Ihrem Chef, Innenminister Herbert Kickl, anlegen?

Antwort Pferd 1: „Von oben herab, genau mein Stil.“

Antwort Pferd 2: „Ich habe länger auf dem Regierungsfoto suchen müssen. Als dann feststand, dass der Kleinste mein neuer Boss ist, war mir eine Sache klar: Am Schwierigsten wird sein, ihn wirkungsvoll am Kinn zu treffen, wenn er mir zu nah am Arsch vorbei geht.“

Antwort Pferd 3: „Meiner Doppelqualifikation wegen wird der Herr Innenminister mich zum Anführer der Truppe ernennen, da fährt der Huf drüber! Ich war bisher nicht nur der Zuchtstolz meines Besitzers, sondern habe stets die Truppe mit coolen Sprüchen auf die Stampede eingeschworen. Dieses Talent werde ich vom ersten Tag an einbringen. Kostprobe gefällig? Reiten statt Hetzen! Ein guter Polizeitag beginnt mit einer aufgelösten Demo! Nieder mit den Linkslinken – Rechts von mir darf kein Sattel frei sein!

Das vierte Pferd konnte von mir nicht befragt werden; es schied aufgrund seiner zu geringen Größe bereits bei der ersten Prüfung aus. Die Anweisung, das ansonsten makellose Tier von der Musterung direkt zur Abschiebung freizugeben, stammt jedoch nicht von mir, sondern Gerüchten zufolge aus dem von Ihnen geführten Innenministerium.

Sie wollen jetzt mit einer internationalen Werbekampagne Pferde aus Deutschland und Ungarn zur Bewerbung einladen? Verständlich: Mit beiden Staaten wiehern Sie im Gleichklang, also sollten genug Interessenten vorhanden sein.

Für Pferd Nummer 4 hätte ich indes eine Alternative zur Abschiebung. Es hat genau die richtige Größe für Sie und könnte schon beim nächsten Nationalfeiertag auf dem Heldenplatz seinen Dienst anzutreten. Ein standesgemäßes Stockerl als Aufstiegshilfe wird sich finden.

Einen knackigen Polizeigruß entbietet Der Kernölbotschafter

Feder

15. Juni 2018: Lieber Boris "Bumm Bumm" Becker!

Was für ein Befreiungsvolley! Ich liege vor dir wie du einst auf dem Heiligen Rasen von Wimbledon! Du entziehst dich der Strafverfolgung geschickter als so mancher sizilianischer Mafioso. Der muss dafür jahrzehntelang in einem Erdloch hocken und wird am Ende von den Carabinieri doch geschnappt. Wenn dir aber ein Land wegen deiner Schulden mittels Insolvenzantrag ans Bein pinkelt, schreist du erbost: „Diplomatische Immunität!“ Das berichtet der für seine weltbedeutenden Nachrichten weltbekannte Rotweißrot-Staatsfunk heute auf seiner Internetseite.

Als Erstes würde mich interessieren, welcher Winkeladvokat auf die Idee gekommen ist, dich von der Zentralafrikanischen Republik zum Sonderattache für Sport und kulturelle Angelegenheiten in der Europäischen Union ernennen zu lassen. Welche Aufgaben könntest du da wohl erledigen? Falls du Tenniscamps für zentralafrikanische Waisenkinder in deiner (wahrscheinlich schon bald gepfändeten) Villa organisierst, ist das aller Ehren wert. Ich befürchte jedoch, dass dein doch recht abrupter Wechsel vom Lebemann zum Diplomaten eher eigennützigen Interessen dient.

Du gibst es sogar selbst zu: Weil der Insolvenzantrag „sowohl ungerechtfertigt als auch ungerecht“ sei, machst du deine diplomatische Immunität geltend, um „diese Farce zu einem Ende zu bringen“ und anzufangen, dein „Leben wieder aufzubauen“. Jammern als Lebenseinstellung; das reicht für ein paar Schlagzeilen, wird dir am Ende aber – so hofft der Chronist als aufrechter Steuerzahler – die diplomatische Haut nicht retten.

Und ich befürchte, deine Chancen stehen schlecht. Weil der Insolvenzantrag aus Großbritannien kommt (hast du es in den Inn-Lokalen der Inner City von London zu oft krachen lassen?), wird sich Lady Prime Minister Theresa May auch deinen letzten Euro krallen, bis du alles zurückgezahlt hast. Nach dem Brexit werden die Untertanen der Queen nämlich Devisen nachrennen wie der Jagdhund den Enten am englischen Ufer des Ärmelkanals.

Lieber Boris, hier ein wohlgemeinter Rat: Es ist ehrenhafter, für eigene Fehler einzustehen und, falls nötig, sein letztes weißes Hemd zu geben, als sich feig (und undiplomatisch!) auf den Schwarzen Kontinent zu vertschüssen, noch dazu nur durch den Besitz eines druckfrischen Diplomatenpasses. Denn Hand aufs Herz: Wie oft bist du seit deiner Ernennung schon in der Zentralafrikanischen Republik gewesen?

Sportliche Grüße, Der Kernölbotschafter

Feder

 

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