Star Wars in BetleheM

Bei meinem siebenjährigen Neffen Johannes ist die Krieg-der-Sterne-Phase voll ausgebrochen. Das äußert sich in Marzipanverzierungen auf Geburtstagstorten, Plastik-Laserschwertern, um mit dem kleinen Bruder klassische Kampfszenen aus den Filmen in Originallänge nachzuspielen, sowie zahllosen Figuren in Playmobilgröße: Tische, Regale und der Fußboden gehören längst zu einer weit, weit entfernten Galaxis.

Aber auch in diesem Jahr gelang es meiner Schwester Evi, Mutter jener zwei kleinen Jedi-Ritter (die beiden älteren Kinder haben diese und viele anderen Phasen bereits glücklich überwunden), unter Einsatz aller Autorität, einen weihnachtlichen Platz im Wohnzimmer zu erkämpfen. Sohin stand in der Ecke ein festlich geschmückter Christbaum und davor eine moderne Krippe, deren Figurenzahl durch kontinuierliche Erweiterung des Tierbestandes schon beträchtlich ist.

Als sie am Morgen des Christtages zur Krippe schaute, fand sie weder das Jesuskind noch dessen Eltern oder Ochs und Esel an den ihnen seit Jahrtausenden fix zugewiesenen Plätzen vor. Sie lagen zerstreut in alle Richtungen; eine Figur inmitten des Chaos ähnelte sehr verdächtig dem unter Insidern bekannten Luke Skywalker.

„Was ist denn hier los?“, galt Evis erste Frage folgerichtig Johannes, der auf der Couch saß und seelenruhig einen Weihnachtskeks verspeiste.

„Darth Vader hat die Krippe angegriffen!“, gab der Kleine zur Antwort. Er tat dies mit großen Augen, die die Unwissenheit seiner Mutter zugleich tadelten und bedauerten. „Luke Skywalker hat es nicht verhindert. Keine Ahnung warum.“

Wäre meine Schwester mit dem Star-Wars-Universum vertraut, hätte sie einen blitzgescheiten Konter fahren können: Dann wären die Figuren durch das Laserschwert von Darth Vader verdampft, nicht bloß umgefallen. So aber blieb ihr nur die Aufforderung an den Sohn, alles in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, was dieser nach einem weiteren Wie-kannst-du-eine-so-dumme-Frage-stellen-Mama-Blick auch tat.

Nachdem der letzte Hirte wieder seinen Platz gefunden hatte, gestattete Evi sich den nachträglichen Wunsch ans Christkind, die Krieg-der-Sterne-Phase möge bis zum nächsten 24. Dezember abgeklungen sein. Andernfalls fände sie möglicherweise in knapp einem Jahr unter dem Baum eine Original Star-Wars-Krippe, mit einem Laserstrahl anstatt des Sterns über dem Stall von Betlehem.

Aber dieses Schreckensszenario wird die in Sachen Familienweihnachten erfahrene Mutter zu verhindern wissen – schließlich hat sie es bislang auch geschafft, den Weihnachtsmann aus ihrem Haus fernzuhalten. Möge die Macht mit ihr sein!

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.