Lange nacht der Undankbarkeit
Ein Leserbrief in den Salzburger Nachrichten vom 4.10.2014 auf Seite 30:
Lange Nacht der Museen Diese Veranstaltung wird wochenlang als „besonderes Zuckerl“ für die Bevölkerung in den Medien angekündigt … kostet aber 13 Euro. Wenn man an einem Abend zwei Museen besichtigt, wird man schnell von den beeindruckenden Werken gesättigt, und ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Leute noch um Mitternacht fit sind, um Galerien zu besuchen. Vielleicht sollte sich Österreich vielen anderen EU-Ländern anschließen, die jedes Jahr am dritten Wochenende im September die „Europäischen Tage des Kulturerbes“ feiern. An diesen zwei Tagen (Samstag und Sonntag) sind alle Museen, Schlösser, Monumente, Theater den ganzen Tag gratis – sicher auch besser für die Kinder! Christine (Nachname der Kernölbotschafter-Redaktion bekannt)
Liebe Christine! Beim Lesen Ihrer Suderei fiel mir der Spruch „Allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann“ ein. 13 Euro Eintritt sind wie jeder andere Betrag diskutabel, weil ein Wert schon für zwei Personen eine unterschiedliche Wertigkeit besitzen kann. Bei sachlicher Betrachtung des Gebotenen ist der verlangte Preis jedoch zweifellos eine Okkasion. Dass Sie nur zwei Museen schaffen und um Mitternacht nicht mehr fit sind, ist nicht die Schuld der vielen Menschen, die mit vollem Einsatz für das Gelingen dieser Nacht arbeiten. Auch wenn es österreichisch anmutet, überall ein Haar in der Suppe zu finden, zeugt Ihr Brief für mich von ungesundem Egoismus nach dem Motto „Ich mag es nicht, also ist es schlecht“. Anstatt eine Veranstaltung herunterzumachen, die Jahr für Jahr unzählige Besucher begeistert – und, nebenbei bemerkt, nicht für Kinder konzipiert ist –, sollten Sie öfter die Seite Good News in den SN lesen. Das vertreibt trübe Gedanken und öffnet vielleicht auch die Tür zur Dankbarkeit für das gute Leben, das wir in Österreich führen dürfen.
Noch ein Tipp: Im Salzburger DomQuartier kann man seit Mai dieses Jahres fünf Museen in einem einzigen Rundgang besuchen, und das zum Preis von 12 Euro. Dort könnten Sie nach Lust und Laune trainieren – für die nächste Lange Nacht. Ich drücke Ihnen ganz fest die Daumen, dass Sie im nächsten Jahr drei Ausstellungen schaffen!

